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Verbindung von etablierter Wirtschaft und Startups - mit Brigitte Zypries

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Das Zahnrad und die Batterie: Brigitte Zypries über Startups, Mittelstand und den Staat als Kunden

This episode is in German. Brigitte Zypries, Germany’s former Federal Minister of Justice and later Federal Minister for Economic Affairs, now an angel investor, talks to Fabian Dudek about why startups and established industry still rarely find each other. The conversation covers her time digitising the federal administration, the Startup Nights she created, why German capital still thins out above a few million euros, and a thought experiment on how hard it is to win the state as a customer.

Brigitte Zypries war von 2002 bis 2009 Bundesjustizministerin und später Bundeswirtschaftsministerin. Heute investiert sie als Business Angel, unter anderem bei GlassDollar. Das Thema, über das sie mit Fabian Dudek spricht, beschäftigt sie seit fast dreißig Jahren: Warum finden etablierte Wirtschaft und neue Lösungsanbieter so selten zusammen?

Von BundOnline 2005 zu den Startup Nights

Ihr Einstieg ins Digitale war 1998, als beamtete Staatssekretärin im Bundesinnenministerium. Zuständig für Verwaltung, aber eben auch für die Digitalisierung der Bundesverwaltung. Sie suchte sich einen persönlichen Referenten, der Informatiker war, weil sie wusste, dass Jura allein nicht reichen würde. Es wurde Martin Schallbruch, später CIO des Bundes.

Das Paradestück von damals hieß BundOnline 2005. Die Auslandshandelsstatistik, die jedes Unternehmen monatlich auf Papier an die EU melden musste, wurde digitalisiert. Schon damals lernte sie, dass der Mittelstand bei diesem Thema nicht vorne steht. Als sie 2013 ins Wirtschaftsministerium wechselte, bestätigte sich das bei Firmenbesuchen: Sie war ernsthaft erstaunt, wie dort Arbeitsabläufe funktionierten.

Daraus entstanden die Startup Nights. Zu einem bestimmten Thema, Energie, Afrika, Luft- und Raumfahrt oder Gesundheit, wurden Startups, Investoren und etablierte Industrie in einen Raum geholt. Dazu kamen rund 25 Musterfabriken in ganz Deutschland, in die Mittelständler fahren konnten, um zu sehen, was Digitalisierung mit ihrem Produkt und ihrer Lieferkette macht.

Im Rückblick würde sie vor allem eines anders machen: mehr davon. Es gab mehr Anfragen, als sie bedienen konnten, und das Format war gut. Auch bei der Finanzierung sei man zu langsam gewesen.

Das Zahnrad und die Batterie

Das stärkste Bild des Gesprächs erklärt, warum Innovation von außen kommen muss. Ein Unternehmen, das seit 25 oder 50 Jahren daran arbeitet, ein Zahnrad noch ein bisschen besser zu machen, damit es weniger knirscht und die Spaltmaße stimmen, kommt irgendwann nicht mehr auf die Idee, das Ding durch eine Batterie und das Internet zu ersetzen. Nicht aus Dummheit, sondern weil man in seiner Welt gefangen ist.

Ihr Beispiel war schon damals Tesla. Den Ottomotor konnten die Chinesen nie richtig kopieren, da war Deutschland gut. In dem Moment aber, wo jemand kam und sagte, das brauche ich alles gar nicht, ich mache es mit einer Batterie und dem Internet, geriet man ins Hintertreffen. Sie hat das in der Automobilindustrie früh angesprochen. “Schmerzlich sehen wir es ja heute.”

Daran hängt auch ihre Unterscheidung zwischen Digitalisierung und Innovation. Einen Papierprozess eins zu eins digital abzubilden sei kein Fortschritt. Man müsse die Prozesse überarbeiten, sonst funktioniere es nicht. Digitalisierung macht schneller. Innovation macht etwas anderes möglich.

Wohlstand sichern, Wohlstand schaffen

Fabian bringt eine Unterscheidung ein, der sie zustimmt: Corporates sichern Wohlstand, Startups schaffen ihn. Man möchte nicht, dass die Telekom experimentiert, wenn man den Vater anrufen will. Die rund 6.000 Startups, die dieses Jahr allein in Deutschland gegründet wurden, sind so etwas wie ein ausgelagertes R&D-Labor, dessen Ergebnisse idealerweise in den Bestand zurückfließen.

Genau an dieser Stelle sitzt ihre Kritik, und sie formuliert sie offen. Dass aus Startups eigene mittelständische Unternehmen werden, findet sie gut. Was sie schwierig findet: wenn sie sich verkaufen, kaum dass sie richtig laufen können, womöglich an Amerikaner oder Chinesen. Sie wünscht sich eine andere Unternehmermentalität, nicht die Haltung “jetzt zocken wir das durch und dann haben wir Geld für den Rest des Lebens”.

Bemerkenswert ist, dass sie das Gegenargument gleich mitliefert. In den USA gehe es schneller, es sei weniger bürokratisch, es gebe mehr regulatorischen Freiraum und leichter Geld. “Also so what?” Sie kann die Entscheidung nachvollziehen. Die Frage sei, was man dagegensetzt.

Kapital und Vernetzung, fünfzehn Jahre später

Als Ministerin hatte sie zwei Baustellen benannt: Kapital und Vernetzung. Ihre Zwischenbilanz fällt gespalten aus.

Die Vernetzung ist deutlich besser geworden. Die Angelkultur hat sich ausgebildet, es gibt Strukturen wie Encourage Ventures, und in der ganzen Republik Technologiezentren und Hotspots. Sie war am Vortag in Kassel und war verblüfft, was dort los ist.

Beim Kapital ist sie skeptischer. Unterhalb von zwei bis drei Millionen funktioniere es inzwischen. Darüber werde es weiterhin richtig schwer. Sie sieht das bei MOTOR Ai, einem ihrer Investments im autonomen Fahren, wo die Finanzierungsrunden dauerhaft anspruchsvoll bleiben.

Ihr politischer Wunsch wäre, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu ändern, damit etwa Rentenfonds oder gemeinnützige Stiftungen anders investieren können. Sie bremst sich dabei selbst: Das ist Geld, das anderen Menschen zusteht, und von zehn Startups überleben vielleicht zwei. Fabian hält dagegen, dass andere Länder genau das tun und ihre Renten trotzdem sicher sind, und dass deutsche Unternehmer derzeit faktisch amerikanische Renten mitfinanzieren, weil US-Fonds in deutsche Firmen investieren.

Beim Mittelstand bleibt sie vorsichtig. Dort fehlt die Arbeitsteilung, es sind häufig Eigentümer statt angestellter Geschäftsführer, und wer vierzig Stunden und mehr arbeitet und kleine Kinder hat, hat schlicht keine Zeit, sich nebenbei zu engagieren.

Die Lösungen sind schon da

Der vielleicht praktischste Teil des Gesprächs dreht sich um das Framing. Unternehmen zu sagen, sie sollten mehr mit Startups machen, führt zu nichts, weil “Startup” für die andere Seite vor allem Risiko bedeutet. Interessant ist nicht die Herkunft der Lösung, sondern gesparte Kosten oder zusätzlicher Umsatz. Man müsse also bei der Logistik oder beim Produktionsprozess ansetzen und fragen, wo das Problem liegt.

Dahinter steckt ein größeres Problem: Es gibt sinnvolle Lösungen, die nicht adoptiert werden, weil niemand von ihnen weiß oder weil sie zu schwer zu bewerten sind. Der einfachste erste Schritt wäre, die Innovationen zu nutzen, die es längst gibt. Bei 6.000 Neugründungen in Deutschland, 60.000 in Europa und über einer Million weltweit ist das vor allem eine Sourcing-Frage.

Dass die Bandbreite dabei enorm ist, illustriert sie mit SWARM, wo Kakerlaken mit Elektroden ausgestattet und losgeschickt werden, um Daten zu übermitteln. Ein anderer Test als eine Software, offensichtlich.

Das Gedankenexperiment: der Staat als Kunde

Zum Schluss stellt Fabian ihr eine Frage, die besser funktioniert als jede These. Angenommen, die beiden gründen ein Startup und wollen den Staat als Kunden. Ministerium frei wählbar. Wie lange würde sie brauchen?

Ihre Antwort ist ernüchternd, gerade weil sie von einer früheren Ministerin kommt. Die öffentliche Vergabe ist extrem reguliert. Selbst wenn eine Behörde eine Software gut findet, kann sie sie nicht einfach nehmen, sondern müsste erst ausschreiben.

Sie hat dafür ein konkretes Beispiel aus ihrer Arbeit als Kongresspräsidentin des Digital Justice Summit. Jemand bot an, etwas kostenlos für das Verwaltungsgericht Berlin zu programmieren, das für bestimmte Verfahren bundesweit zuständig ist. Die damalige Präsidentin wollte es. Die Justizverwaltung genehmigte es nicht, obwohl kein anderes Gericht in Deutschland diese Fälle bearbeitet. “Da steht man sich wahnsinnig im Weg.”

Ihr erster Reflex war deshalb: Für die Verwaltung lieber etwas anderes machen. Besser werde es dort, wo genossenschaftliche Strukturen Länder und Kommunen gleich als Eigentümer einbinden, und im Verteidigungsbereich, wo mehr Flexibilität herrscht.

Fabian setzt den entscheidenden Gedanken dagegen: Es geht hier nicht um normale Einkäufe. Zwei Tonnen Papier im Jahr kann man ausschreiben. Eine Lösung, von der man vorher nicht wusste, dass sie hilft, nicht. Die Anforderungen kennt man erst, nachdem man sie ausprobiert hat. Man müsste also kleine Dinge kaufen, um daraus zu lernen, und erst danach entscheiden, wie das Geld künftig ausgegeben wird.

Warum daraus eine Vertrauensfrage wird

Zypries dreht das am Ende ins Grundsätzliche. Sie beschreibt zu viele Bedenkenträger und zu viel Ängstlichkeit, und dass die Aufbruchsstimmung der sechziger Jahre verschwunden ist, weil inzwischen alles durchreguliert ist.

Spürbar wird das für Bürgerinnen und Bürger im Kleinen. Die Grundsteuer-App in Berlin konnte sie selbst nicht ausfüllen, und niemand in ihrem Umfeld auch nicht, bis Martin Schallbruch wieder half. Beschwerde-Apps nützen nichts, wenn man weder Antwort noch Wiedervorlage bekommt. In Berlin stand anderthalb Jahre ein offensichtlich fahruntüchtiges Auto vor ihrer Haustür, ohne dass es jemand abholte.

Ihr Punkt dahinter ist kein technischer. Wenn Menschen das Gefühl haben, dieser Staat versteht sie nicht oder sie verstehen den Staat nicht, wird daraus Staatsverdrossenheit. Jede kleine Interaktion, die funktioniert, zahlt umgekehrt auf Vertrauen ein. Und gute Leute gehen dorthin, wo tatsächlich etwas passiert, statt in endlose Gespräche.

Außerdem in dieser Folge: warum Regulierung nur global sinnvoll ist, was sich durch soziale Medien im Politikbetrieb verändert hat, die Frage nach lokaler und zentraler Organisation am Beispiel einer Allianz in Baden-Württemberg, und warum Universitäten das Thema meist von der Ausgründung her denken statt vom Kunden.

Brigitte Zypries war Bundesjustizministerin und Bundeswirtschaftsministerin. Heute ist sie Business Angel, unter anderem bei GlassDollar.

Mit Fabian Dudek spricht sie darüber, warum Startups und etablierte Wirtschaft noch zu selten zusammenfinden und was Corporates, Mittelstand und Staat daran ändern können.

Außerdem geht es darum, wie schwer es ist, den Staat als Kunden zu gewinnen.


Shownotes
Brigitte Zypries hat schon als Staatssekretärin die Digitalisierung der Bundesverwaltung vorangetrieben. Als Wirtschaftsministerin hat sie die Startup Nights ins Leben gerufen, um Startups, Investoren und Industrie zusammenzubringen. Im Gespräch mit Fabian Dudek blickt sie auf diese Zeit zurück und darauf, was sich seitdem verändert hat.
Themen der Folge:
  • Warum der Politikbetrieb durch Social Media, KI und eine zerstrittenere Welt so viel fordernder geworden ist
  • Digitalisierung vs. Innovation: Prozesse effizienter machen oder rechtzeitig auf neue Technologien setzen
  • Wohlstand sichern vs. Wohlstand schaffen: die Rolle von Corporates und Startups
  • Früher Exit und amerikanisches Venture Capital: warum es in den USA oft leichter ist
  • Kapital und Vernetzung 10, 15 Jahre später: Was besser geworden ist und wo es noch fehlt
  • Warum der Mittelstand bei der Zusammenarbeit mit Startups hinterherhinkt
  • Gedankenexperiment: Wie lange dauert es, den Staat als Kunden zu gewinnen?
  • ELSTER, Grundsteuer und Behördenschreiben: warum verständliche Verwaltung gegen Staatsverdrossenheit hilft
  • Was ein Technologie-Test kostet und warum günstigeres Testen mehr Business Cases möglich macht
Kapitel
00:00 Cold Open
00:27 Intro
01:04 Vermisst du die Politik?
03:59 Wie Startup-Corporate-Vernetzung zu ihrem Thema wurde: BundOnline 2005, Martin Schallbruch, Startup Nights
08:24 Digitalisierung vs. Innovation
11:24 Der Lebenszyklus von Unternehmen
12:37 Wohlstand sichern, Wohlstand schaffen
14:26 Exits ins Ausland und US-Venture-Capital
15:44 Kapital und Vernetzung heute
18:19 Mittelstand und Startups
22:31 Von Kakerlaken bis Rüstung: die Vielfalt der Startup-Landschaft
24:59 Was sie heute anders machen würde
27:31 Gedankenexperiment: Der Staat als Kunde
35:06 ELSTER, Grundsteuer und verständliche Verwaltung
36:23 Staatsverdrossenheit und digitale Bürgerdienste
39:09 Fund oder Kooperation: Wo der Staat doppelt profitiert
40:17 Modellvorhaben und die Lücke nach dem Piloten
42:58 Was ein Test kostet und wie man ihn günstiger macht
46:20 Outro
Erwähnt in der Folge: GlassDollar · MOTOR Ai · Encourage Ventures · SWARM · TU9 · Isar Aerospace · BundOnline 2005 · Digital Justice Summit · Big Bang KI
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0:00Was ich immer schwierig finde ist, wenn sie, kaum dass sie irgendwie richtig gehen können, sich verkaufen und dann womöglich noch an Amerikaner oder Chinesen. Da würde ich mir was anderes, eine andere Unternehmermentalität wünschen und nicht nur so die Mentalität. Komm her, jetzt zocken wir das durch und dann haben wir Geld für den Rest des Lebens. Es gibt halt viele, die mir jetzt entgegnen würden sagen Du kannst ja gut reden. Es geht in Amerika erstens schneller. Es ist weniger bürokratisch. Ich habe mehr Freiraum, was die Regulierung anbelangt, und ich kriege leichter Geld. Also so what? Willkommen zurück im Podcast.

0:36Heute spreche ich mit Brigitte Zypries. Sie war Justizministerin und Bundeswirtschaftsministerin. Seit einigen Jahren ist sie auch sehr aktive Angel-Investorin, unter anderem auch bei GlassDollar. Und schon in ihrer Zeit in der Politik hat sie sich stark eingesetzt für das Thema Verbindungen zwischen etablierter Wirtschaft und Startups. Ich freue mich sehr auf das Gespräch. Let's go! Brigitte, schön, dass du da bist. Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Vielleicht starten wir mal rein mit. Vermisst du eigentlich deine Zeit in der aktiven Politik als Wirtschaftsministerin oder Justizministerin? Nicht wirklich. Also es gibt manche Situationen, wo ich denke Ach, da hätte ich jetzt auch noch eine Idee zu.

1:19Oder das würde ich jetzt gerne mal voranbringen. Das sind dann aber so Teile immer nur und nicht verantwortlich sein für das große Ganze. Ansonsten vermisse ich ehrlich gesagt nicht. Und mir tun die Kolleginnen und Kollegen heute auch überwiegend leid, weil es ist ja doch schon sehr viel schwieriger geworden, das ganze Geschäft. Also das muss man sich mal vorstellen. Ich war von 2002 bis 2009 Bundesministerin der Justiz. Das iPhone kam 2007 raus. Okay, also 2009 hatten wir noch keine sozialen Medien oder ähnliches mehr. Da war schon ein Ereignis, dass es hier in Berlin mehr Rundfunksender gab als in Bonn und man noch etwas mehr Rede und Antwort stehen musste. Durch diese ganze Schnelllebigkeit und durch diese vielen sozialen Medien und Plattformen ist es einfach so viel komplizierter geworden und fordernder, weil man im Grunde dauernd in der Öffentlichkeit ist, auch wenn man abends im Lokal sitzt, mit Freunden kann irgendwo am Nachbartisch jemand abfilmen und es ins Netz

2:23stellen und also das ist ja kein Spaß. Dann muss ich ganz ehrlich sagen verstehe ich. Würdest du das auch ausweiten? Aber du kannst ja sagen okay, jetzt soziale Medien und Öffentlichkeit, aber du kannst ja auch sagen okay, insgesamt wurde die Welt um einiges komplexer, noch mal viel globaler, viel mehr Technologien, die dazugekommen sind. Also auch das, womit man sich als Politiker beschäftigt, ist ja ein viel komplexeres Feld geworden, oder? Ja, also das Thema Internet, das Thema Verfolgung von Deepfakes oder von Straftaten im Internet, das hatten wir ja auch schon. Da habe ich auch schon Gesetzesvorschläge zu gemacht.

2:57Also das gibt es relativ lange, was die Kollegin Stefanie Hubig jetzt auch immer noch weiter betreibt mit ihrem Gesetzesvorschlag zur Regelung von Deepfakes. Das schon, aber natürlich. Künstliche Intelligenz war damals kein so ein Thema und ist jetzt natürlich in aller Munde. Und es geht um die Frage Wie gehen wir damit um? Das ist natürlich alles noch mal viel komplizierter, weil das war allerdings auch damals schon so Regelungen im Grunde nur Sinn machen, wenn sie weltweit beachtet werden. Also wenn wir hier für unser kleines Deutschland oder für Europa was regeln und die Amerikaner und die Chinesen kommen und machen es eben alles ganz anders, dann nützt uns das auch wenig. Das muss man realistisch ja so sehen und von daher ist es schon sehr ambitioniert, weil die Welt und das ist das andere Problem, was du richtig adressiert hast, eben sehr viel zerstrittener, divergenter geworden ist in den letzten Jahren. Und das ist auch wirklich tragisch.

3:53Wenn wir so über neue Technologien sprechen und besonders natürlich dann auch unsere Perspektive darauf. Ich weiß, dass Startup-Corporate-Vernetzung für dich ein großes Thema war. Wie bist du denn dazu gekommen, dass du das als Thema so für dich definiert hast? Ich habe mich ja schon immer für das Internet und die Entwicklung des Internets interessiert. Also als ich 1998 beamtete Staatssekretärin im Bundesinnenministerium wurde, da war ich zuständig für Verwaltung, aber eben auch für die Digitalisierung der Bundesverwaltung. Und ich habe mir damals, weil ich dachte, okay, Jura kann ich selbst einen persönlichen Referenten ausgesucht, der Informatiker war, weil ich gedacht habe, da brauche ich Unterstützung.

4:41Und da habe ich einen wirklichen Glücksgriff getan. Das war nämlich Martin Schallbruch, den viele der Hörerinnen und Hörer wahrscheinlich kennen. Der war lange Zeit der CIO des Bundes, dann später und ist jetzt bei govdigital und war vorher an der ESMT. Der hat so eine richtige Karriere da auch gemacht und ist heute noch einer der Menschen, die das ganze Geschehen der Welt im Digitalbereich am besten erklären können und vermitteln können. Der kann einfach richtig gut so! Und er hat mir auch eine Menge beigebracht. Und wir haben gemeinsam dann die ersten Projekte aufgesetzt. Damals hieß das BundOnline 2005.

5:17So eine andere Zeit. Das stimmt. Da haben wir dann versucht, die Auslandshandelsstatistik, die immer auf Zetteln gemacht werden musste, zu digitalisieren. Weil jeden Monat muss jedes Unternehmen an die EU melden, was es innerhalb der EU handelt. Und das konnte man dann sehr viel einfacher machen. Das war so unser Glanzstück, unser Paradestück, wo wir immer gesagt haben, wir helfen den Mittelständlern. Damals habe ich schon gelernt, dass der Mittelstand nicht so ganz vorne dran ist mit der Digitalisierung und mit dem, was sie machen.

5:50Und das hat sich dann hinterher, als ich dann 2013 im Wirtschaftsministerium angefangen habe. Damals als Parlamentarische Staatssekretärin, da hat sich das dann wieder für mich bewahrheitet. Wenn ich Firmen Besuche machte, dann war ich doch manchmal wirklich sehr erstaunt, wie da die Arbeitsabläufe gingen. Und ich habe gedacht, da müssen wir was ändern, da müssen wir was tun. Und ich habe dann damals diese Startup Nights erfunden. Das heißt, wir haben immer eingeladen zu einem bestimmten Thema Startups, die sich präsentiert haben. Wir haben Investoren eingeladen, und wir haben die etablierte Industrie eingeladen, damit wir eine möglichst gute Vernetzung gekriegt haben.

6:26Und das war dann zu unterschiedlichen Themen. Wie gesagt, Energie, Afrika, Luft und Raumfahrt, Gesundheit und so. Und da wurde mir halt eben im Zuge dieser Gespräche immer mehr klar. Also das ist das Thema, auf das es im Grunde ankommt. Und wir haben dann auch Musterfabriken gebaut innerhalb Deutschlands an verschiedensten Orten. 25 Stück waren es glaube ich, wo Mittelständler hingehen konnten, um zu schauen, was passiert denn eigentlich mit Digitalisierung, mit meinem Produkt? Wenn mehr digitalisiert wird. Was wäre möglich?

7:02Sowohl in der Herstellung als auch in der Lieferkette? Und von daher war ich da schon immer daran interessiert. Und ich habe in meinen Reden früher immer gesagt Wenn ein Unternehmen seit 25, 50 Jahren versucht, das Zahnrad immer noch ein bisschen besser zu kriegen, damit es weniger knirscht, damit es richtig ineinandergreift, damit auch kleine Unebenheiten nichts mehr ändern können oder ruckeln. Spaltmaße. Das Spaltmaß, genau dann kommt man nicht mehr auf die Idee, das Ding durch eine Batterie und ein Internet zu ersetzen. Das tut man nicht, weil man einfach so in seiner Welt gefangen ist. Das ist jetzt gar nicht böse gemeint oder sonst irgendwas.

7:42Ich glaube, es geht einem wahrscheinlich in anderen Dingen ganz genauso. Und deswegen habe ich immer gesagt, da muss von außen jetzt jemand kommen und das zeigen, Es war ja damals Elon Musk derjenige, der da damit Tesla noch Furore machte. Und das war dann auch immer mein Beispiel. Mit unseren Autos sind wir gut gefahren. Die Chinesen konnten den Ottomotor nie so richtig kopieren, weil es bewegt sich. Da waren wir gut Und in dem Moment aber, wo jemand kam und sagte Wieso bräuchte alles gar nicht, mache ich doch ganz anders mit einer Batterie und dem Internet.

8:15Da geraten wir ins Hintertreffen. Und ich habe das damals auch in der Automobilindustrie schon adressiert. Und schmerzlich sehen wir es ja heute. Wo ist für dich der Unterschied zwischen Digitalisierung und Innovation? Also das Beispiel, was du vorher genannt hast? Wir digitalisieren einen Prozess, der vorher auf Papier stattgefunden hat. Ist ja eine inkrementelle Verbesserung. Während das Auto ist ja was völlig anderes. Was Neues. Genau. Genauso. Oder wenn wir jetzt zum Beispiel sagen, jetzt geht es darum, wie behandeln wir Space oder das Weltall oder. Quantum.

8:54Es gibt ja sowohl diese neuen Frontier Technologien als auch die Herausforderung, dass ich als Unternehmen insgesamt effizient aufgestellt bin. Na ja, das eine ist die Frage Wie weit bin ich als Unternehmen effizient aufgestellt, also kann ich es schneller machen? Quantum Oder was kann ich dadurch Neues machen? Was kann ich dadurch anderes machen? Und ich denke, den Blick, den muss man immer offen haben, weil wir haben ja immer gesagt, einfach nur Prozesse, die auf Papier abgelaufen sind. Digital abzubilden, das ist kein Fortschritt.

9:28Also das funktioniert ja. Man muss dann die Prozesse schon ein bisschen überarbeiten, dass das Ganze noch sinnvoll ablaufen kann, sonst ist das nicht so richtig zu machen. Und so ist es eben auch mit allen anderen Sachen. Also durch die technischen Möglichkeiten kann ich neue Produkte erst mal verbessern. Kann man so sagen. Und dann neue Produkte entwickeln. Und dann diese Produkte auch weiterentwickeln. Durch dann eben mehr Schnelligkeit oder andere Dinge, die dazukommen. Wirklich das Gefühl habe, dass genau in der Vergangenheit ging es viel um Digitalisierung und ich finde, inzwischen umrahmt dieser Begriff gar nicht mehr das Thema komplett, weil bei Digitalisierung sich jeder denkt so okay, ja, wir machen das halt ein bisschen effizienter und ich glaube, da gibt es ganz viel Bedarf noch. Aber es geht ja auch ganz viel darum.

10:18Genau wie mit dem Auto. Beispiel noch zum richtigen Zeitpunkt auf die neuen Technologien springen zu können, um weiterhin auch ein relevantes Produkt am Markt zu haben. Den Zeitpunkt darf man natürlich nicht verpassen, deshalb muss man sich eben à jour halten, auch als Unternehmen. Also heute Abend fängt ja diese Big Bang KI Konferenz an, hier in Berlin mit elf oder 12.000 Leuten, die da hinkommen. Da kann man jetzt geteilter Ansicht drüber sein, wie gut das ist oder wie vernünftig das gemacht ist. Aber auf alle Fälle gibt es jeden, der dahin kommt, die Möglichkeit, nicht nur sich selber zu vernetzen, sondern auch in den verschiedensten Bereichen Ideen und Kontakte zu kriegen. Ich glaube, dass das schon ein enormer Mehrwert ist, auch für Mittelständler, einfach mal zu gucken, was passiert denn da eigentlich in dieser Welt? Die sind ja nun auch alle nicht blöd.

11:09Können die ja auch eigene Gedanken entwickeln dazu und gucken, was passt für ihr Unternehmen? Da habe ich zwei Gedanken zu einmal. Du hast vorher gesagt okay, du bist dann halt irgendwann so in deinem eigenen Trott und denkst dann gar nicht mehr outside the box. Ich habe da auch das Gefühl, Ist das nicht der natürliche Lebenszyklus eines Unternehmens, dass es immer schwieriger wird, sehr innovativ zu sein, weil du ja am Ende etwas Großes, immer Größeres aufgibst, während eine Firma, die neu gestartet wird, sich viel leichter damit tut zu sagen okay, denken wir das noch mal von der Pike auf. Das ist völlig richtig. Aber es gibt halt eben große Firmen wie in der Automobilindustrie, VW oder BMW oder Mercedes oder in der Pharmaindustrie, BASF und andere, die sich eben die Frage stellen müssen Wie können wir unser Unternehmen weiterentwickeln? Die wollen ja nicht ein 100 Jahre altes Unternehmen dann einfach abwickeln, weil sie sagen, jetzt kommt hier neue Technologie, da kommen wir nicht

12:13mehr mit. Sondern die müssen sich dann eben umstellen und müssen sagen, wir müssen jetzt hier was anderes machen und wir müssen auf andere Pferde setzen. Das kann ja mal gut gehen, das kann da mal schlecht gehen. Aber auf alle Fälle muss da ein gewisser unternehmerischer Geist sein, der dann auch sagt Komm, hier ändert sich die Welt, wir ändern uns mit. Ja, sehe ich total. Insgesamt muss ich sagen, dass unser Narrativ ist ganz viel Wohlstand erhalten, was für mich sich anhört wie okay, wir wollen, dass unsere Großen groß bleiben. Und wenn ich aus meiner Perspektive so auf die Wirtschaft gucke, dann habe ich so das Gefühl, okay, Corporates sind dazu da, Wohlstand zu sichern. Ich möchte nicht, dass jetzt die Telekom oder Vodafone irgendwelche Experimente fährt, weil ich will, wenn ich jetzt meinen Papa anrufe, auch dass mein Papa rangeht. So ein Startup auf der anderen Seite könnte man ein bisschen mehr experimentieren. Weil vielleicht, weiß ich nicht, macht eine große Wanderung und mit

13:13einem Mal habe ich immer noch ein Netz, wo andere das vielleicht nicht haben. Und das ist ganz oft eigentlich das Gefühl, was ich habe, dass so okay. Unsere etablierte Wirtschaft hält und sichert unseren Wohlstand. Und es gibt dieses neue R&D Lab, quasi fast wie die tausenden Startups. Das sind jetzt glaube ich, 6000 neue in Deutschland dieses Jahr, die gegründet wurden, die neuen Wohlstand kreieren, der hoffentlich in Zukunft integriert wird in den Corporates, die diesen Wohlstand sicher für uns bereitstellen.

13:46Das wäre sicherlich das Beste, wenn das so gelänge, dass man sie integrieren könnte und damit die Corporates weiterentwickeln könnte. Ich habe auch kein Problem damit, wenn aus den einzelnen Startups eigene mittelständische Unternehmen werden, die größer werden. Was ich immer schwierig finde, ist, wenn sie, kaum dass sie irgendwie richtig gehen können, sich verkaufen und dann womöglich noch an Amerikaner oder Chinesen. Das finde ich immer ein bisschen schade. Absolut. Also da würde ich mir was anderes, eine andere Unternehmermentalität wünschen und nicht nur so die Mentalität. Komm her, jetzt zocken wir das durch und dann haben wir Geld für den Rest des Lebens. Ja. Siehst du das?

14:22Hauptsächlich die Verantwortung bei den Unternehmern. Dazu zu sagen Okay, ich nehme jetzt kein amerikanisches Venture Capital auf. Na ja, das ist leicht gesagt. Natürlich ist das eine unternehmerische Entscheidung, Aber man muss natürlich auch anderes kriegen. Und die Debatte haben wir ja jetzt auch lange genug geführt, dass es da teilweise in Deutschland schon Probleme gibt und es in den USA halt wesentlich leichter ist. Und es gibt halt viele, die mir jetzt entgegnen würden, sagen Du kannst ja gut reden, Aber es geht in Amerika erstens schneller.

14:51Es ist weniger bürokratisch, Ich habe mehr Freiraum, was die Regulierung anbelangt. Also jetzt will ich gar nicht vom Datenschutz reden, sondern auch von sonstiger Regulierung anbelangt. Und ich kriege leichter Geld. Also so what? Absolut. Weil das kann ich gut verstehen. Ja, weil am Ende auch als Unternehmer typischerweise die meisten machen das ja wirklich mit Herzblut und Passion. Sonst würdest du so was gar nicht starten. Ist so ein bisschen wie Politiker werden. Ich glaube, es gibt leichtere Jobs am Ende. Stimmt. Und nichtsdestotrotz KfW Fonds und und und.

15:26Und da hat sich ja super viel getan. Ja, auch du bist aktiv als Investorin eingestiegen. Du hast damals auch mal gesagt, als Bundeswirtschaftsministerin warst, dass einmal wir uns verbessern müssen im Kapital und als zweites in der Vernetzung. Wie würdest du jetzt, so 10, 15 Jahre später sagen, Wie hat sich das entwickelt? Kapital und die Vernetzung. Das ist Vernetzung. Ich glaube, die Vernetzung ist besser geworden. Das Kapital ist noch nicht so gut, wie es sein sollte. Es gibt aber das ist jetzt meine Erscheinung. Ich habe da jetzt keine eigenen Forschungen zu angestellt. Aber nach allem, was ich auch aus dem Kuratorium des Startup Verbandes und von anderen Gesprächen her weiß, gibt es immer noch zu wenig wirklich Geld. Dann ab einer Größe von zwei, drei, vier Millionen.

16:20Das ist also die Angelkultur. Hat sich gut ausgebildet, finde ich. Und da gibt es auch viele Leute, die inzwischen sagen Ach, das klingt ja ganz interessant. Selbst mein Neffe mit seinen 30 Jahren sagte gestern zu mir Ach, was du da erzählst, das klingt ja gut. Ich glaube, da würde ich auch mal investieren. Also da gibt es schon junge Leute, die auch sagen da. Es ist für mich auch eine Option, so was zu machen. Das ist gut. Aber wie gesagt, dieses Kapital 2-3 Millionen und mehr.

16:53Das ist immer noch richtig schwer. Und ich bin ja auch bei MOTOR Ai, die autonomes Fahren machen und die dann einfach wirklich immer richtig viel Geld brauchen. Und das ist jetzt nicht trivial, diese dauernden Finanzierungsrunden da durchzustehen. Die Vernetzung sozusagen hat sich verbessert. Ja, die Vernetzung. Ich glaube, es gibt eine größere verbandliche und angebotliche Struktur. Also es gibt ja ganz viele, also Business Angels. Es gibt Encourage Ventures, wo Frauen speziell Pitchen können und von Frauen gefördert werden. Und die haben ja jeden Monat irgendwelche Pitchveranstaltungen über ganz Deutschland. Es gibt diese ganzen bei den Neuen, die ganzen Zentren, wo man hingehen kann und kann sich vernetzen. Ich war gestern in Kassel im Technologiezentrum und man staunt nur, was da alles los ist.

17:43Da war ich wirklich verblüfft. Auch da gibt es ganz viele Hotspots überall in der Republik. Und das glaube ich, das geht besser, das ist besser geworden. Wenn wir noch mal Vernetzung tiefer definieren. Im Startup Ökosystem gibt es eigentlich drei relevante Player. Es gibt die Gründerinnen, Investorinnen und Kundinnen. Und du hast vorhin zum Beispiel auch den Mittelstand angesprochen. Hast du auch da das Gefühl, dass die Vernetzung zwischen neuen Lösungsanbietern, Startups und der etablierten Wirtschaft, besonders im Mittelstand sich verbessert hat? Ja, ich glaube, GlassDollar gibt sich große Mühe.

18:26Und viel mehr noch kann ich dir sagen. Ja, das glaube ich auch. Aber gerade im Mittelstand ist es, glaube ich, nach wie vor schwierig. Ja, also ich glaube, wenigstens weiß ich das. Ich bin ja bei euch auch investiert. Aus unseren Runden, unseren Gesprächsrunden, dass ihr ja bei den Corporates ganz gut dabei seid und dass da inzwischen ja fast alle bei euch sind. Aber im Mittelstand ist das eben noch nicht der Fall. Und das glaube ich, das müsste besser werden. Und da ist es auch nach wie vor schwierig, weil die sich wiederum nicht so sehr organisieren.

19:03Die haben ja nicht so eine Arbeitsteilung, weil sie kleiner sind, einfach. Und sie sind dann meistens auch noch eigene Unternehmer und haben weniger CEOs, die angestellt sind. Und ich sage immer, ich kann das auch verstehen. Weißt du, wenn jemand so ein Unternehmen führt und da sowieso schon mehr als 40 Stunden die Woche arbeitet, wenn der eine im mittleren Alter ist, eine Familie hat und zwei, drei kleine Kinder, wo soll er noch die Zeit hernehmen, sich da irgendwie großartig noch nebenbei zu engagieren? Das ist schon herausfordernd.

19:34Wobei ich glaube, diese Story zählt auch gar nicht nur für den Unternehmer, sondern auch alle Mitarbeiter. Weil am Ende ist Innovation. Kannst du es immer sehen als extra Arbeit? So, es ginge ja auch erstmal noch ohne. Vielleicht in zehn Jahren. Ist doof, aber morgen merke ich das jetzt wahrscheinlich nicht. Aber deswegen ist es auch so wichtig, dass man da interessante Angebote macht. Ich fand ja unsere Startup Nights beispielsweise immer gut. Also das war so ein Abend, da hast du Eindrücke gekriegt.

19:59Es gab was zu essen, es gab was zu trinken, konnte Leute kennenlernen. Und das ist ja mal ein Abend, wo du mal hingehen kannst. Das ist dann so und unspektakulärer. Ja, wobei ich sagen muss also ganz klar, ich bin Fan von Hubs, Events etc. Es geht aber eigentlich viel mehr darum, die etablierte Wirtschaft zu befähigen, sich das zu ziehen, was sie brauchen, weil es für die ist es eigentlich egal oder wahrscheinlich sogar eher negativ, dass es ein Startup ist, weil heißt ja Risiko, aber was für die dahinter steht, ist eine Verbesserung. Im Unternehmen ist gesparte Kosten potenziell zusätzliche Umsätze.

20:42Und dieses Framing aus meiner Perspektive kriegen wir aus dem Startup Ökosystem noch nicht so gut hin. Und sagen wir mal, ihr müsst mehr mit Startups machen. Da sprechen wir aber gar nicht. Eigentlich auf Augenhöhe mit diesen Leuten, die sagen Startup whatever. Man müsste halt an solchen Punkten ansetzen und müsse sagen Wenn ihr ein Problem bei der Logistik habt, dann können wir darüber reden, wie wir das lösen können. Oder wir können euch helfen, wenn ihr Probleme auch im Produktionsprozess habt. Wo ist denn euer Problem?

21:13Also man müsste die Leute so ansprechen und dann sagen ja, da hätte ich eine Idee zu. Und das guck dir doch mal an, dann wird es greifbarer und es bleibt nicht auf so einer abstrakten Ebene. Was meinst du. Genau? Wo man halt sonst auch sagen kann so, die Kultur ist so unterschiedlich. Aber was, wie hilft uns das jetzt konkret? Durchlässigkeit und Verbindungen zwischen etablierter Wirtschaft und neuen Lösungsanbietern zu verbessern, hilft nicht. Das Krasse ist aber trotzdem, dass wir sehen, dass so oft. Es gibt hilfreiche, sinnvolle Lösungen, die nicht adoptiert werden von Unternehmen, weil die Leute nicht davon wissen.

21:51Weil es so schwierig ist, diese Lösungen überhaupt zu bewerten. Und da sitzen wir am Ende und denken so Wie kriegen wir das hin, dass wir innovativer sind? Und der erste leichteste Schritt wäre eigentlich zu sagen Hey, die Innovationen, die wir schon haben, lasst uns die doch mal nutzen. Wir haben mit 6000 neuen Startups in Deutschland dieses Jahr alleine. Jetzt überlegen wir uns okay, für Europa. Lass es 60.000 sein für die Welt. Lasst es über 1 Million sein, die sich dann kontinuierlich noch verändern.

22:16Es ist mit einem Mal auch eine ganz andere Sourcing Herausforderung. Es kommt ja immer darauf an, was die machen. Absolut. Also ich habe mir gestern, ich bin dann auch noch nachhaltig beeindruckt SWARM angeguckt. Die nehmen Cucaracha, also Küchenschaben und machen Elektroden an die dran und schicken die dann in die Welt, damit sie Sachen übermittelt kriegen. Und die wuseln da halt so rum, wie sie immer rumwuseln. Ich meine, das ist natürlich völlig andere Herausforderungen für die als für euch beispielsweise, die ihr eine Software macht und dann eben einfach die Software verkaufen müsst. Ja, ja, absolut, absolut. Ganz unterschiedliche Dinge.

23:00Und was es alles gibt und was die Leute sich zu überlegen und gerade jetzt auch mit der Frage der Veränderung der Gefahrenlage in Deutschland oder der Welt, was hier in welcher Geschwindigkeit hier so Rüstungs-Startups aus dem Boden schießen. Ich muss auch sagen, ich bin jetzt kein Kritiker der verschiedenen Instrumente, aber die Barrierefreiheit, wie einfach es ist zu verstehen, was ist jetzt relevant für mich, was kann ich wie nutzen? Ist komplex. Ja, es ist sehr komplex und ich habe auch das Gefühl, dass wir noch nicht überall austariert haben, wo es lokal besser und wo es zentral organisiert. Besser so. Ich sehe das total, dass es Sinn macht, wenn in Baden-Württemberg jetzt eine Alliance kreiert.

23:50Aber dann muss das Startup unbedingt aus Baden-Württemberg kommen. Was Stihl? Jetzt weiß ich nicht. In seiner Kettensäge einbaut oder kann das theoretisch auch aus einem anderen Bundesland kommen oder aus Europa? Insgesamt überhaupt nicht. Absolut absolut. Also zumindest in dieser Sourcing Logik, in dieser Startup Ökosystem Logik. Wieder denken wir oft auf diese Art und Weise habe ich das Gefühl. Na ja, da denken wir in der Regel ausgehend von Universitäten. Also wenigstens ist das dieses Konzept, was ich kenne, von den TU9, die dann sagen okay, wir sind hier die Technische Hochschule, wir haben erstens die Professoren, wir haben, zweitens die Studierenden, wir wollen jetzt die Ausgründung befördern.

24:27Das sind in der Regel Ausgründung. Da gibt es noch mal ganz besondere Anforderungen. Wer hat dann eigentlich hinterher welche Patente usw Und dann bieten wir denen jetzt hier was, damit die hier was machen und hier bleiben. Das ist dann schon so der Ansatzpunkt, wie die dann weitergehen. Und das ist die Frage. Können die ihre Technologie dann an Stihl oder Lufthansa oder wen auch immer verkaufen? Das ist ja dann das nächste Thema. Aber es geht da immer erst mal um die Gründung und um die Gründungssysteme.

24:55Mit dem, was du jetzt weißt, was du jetzt siehst, wie guckst du auf deine Zeit damals zurück? Was war gut? Was würdest du jetzt anders machen im Vergleich zu dem, was du damals gemacht hast und auch im Vergleich zu dem, wie es jetzt gemacht wird? Also ich würde noch mehr machen. Einfach mengenmäßig mehr. Wir haben ja, ich weiß nicht wie viele Startup Nights gemacht, aber das war auf alle Fälle zu wenig. Man hätte da mehr machen müssen.

25:22Wir hatten ja auch viel mehr Anfragen und so, wir konnten halt immer nicht alle nehmen, aber das war eigentlich ein gutes Format, was man auch heute noch irgendwie ein bisschen ändern können, oder? Also da hätte man einfach noch schneller Druck machen müssen, glaube ich. Und was die Finanzierung anbelangt, auch da waren wir auch zu langsam. Und ich glaube, was auch notwendig wäre, wäre, dass sich in der Politik mal jemand darum kümmert und sagt, wir müssen hier mal die Finanzierung, also die Rahmenbedingungen, die regulatorischen Rahmenbedingungen ändern.

25:54Also entweder das Rentenfonds investieren können oder dass gemeinnützige Stiftungen anders investieren können oder wie auch immer. Wobei man schon auch ein bisschen vorsichtig dabei sein muss, denn das ist natürlich alles Geld, was anderen Menschen dann mal zugutekommen soll. Und ich meine, die Berliner Zahnärzte sind jetzt in betrügerischer Manier um ihre Rentenansprüche und ihre Rente gebracht worden. Das hatte jetzt nichts damit zu tun, aber man muss natürlich aufpassen, dass da nicht irgendwelche Helden sitzen und sagen Komm, jetzt investieren wir mal in die Startups und hinterher ist alles Geld weg. Denn das muss man ja der Wahrheit halber auch sagen. Es gibt ja irgendwie so eine Marge von zehn gehen, acht pleite und zwei bleiben und die sollten es dann möglichst wuppen.

26:40Aber ob sie das tun, weiß man auch immer noch nicht. Also das ist schon auch Risiko. Geld, mit dem man da unterwegs ist. Und es ist eigentlich Geld, auf das man verzichten können müsste. Also so habe ich es immer gemacht. Wenigstens. Ich habe immer gesagt, okay, ich kann auch ohne das Geld leben. Das mache ich jetzt mal, während, wenn ich verantwortlich bin für einen Pensionsfonds. Da muss ich halt sehen, dass die Leute, die da eingezahlt haben und Ansprüche haben, auch dann tatsächlich ihre Altersversorgung rauskriegen. Und dass ich sie nicht per se auf welche Art und immer.

27:10Ja, sehe ich. Wobei ganz ehrlich, also in anderen Ländern wird es ja getan und die Renten sind auch sicher. Und im Moment ist die Realität dann, dass deutsche Unternehmer amerikanische Renten finanzieren, weil das Geld aus den amerikanischen VC Fonds in die deutschen Unternehmen investiert wird, die dann global skalieren wollen. Ich würde gerne mal ein Gedankenexperiment mit dir fahren. Und zwar Wir zwei gründen neues Startup. Ja, wir machen irgendwas. Wir digitalisieren Ja, aber irgendwas. Wir wünschen uns den Staat als Kunden.

27:48Wie schnell oder wie lange, glaubst du, würdest du jetzt brauchen, um mit deinem Wissen den Staat tatsächlich als Kunden zu gewinnen? Such dir das Ministerium aus. Also, das ist ganz schwer, weil es gibt ja die Vergabe staatlicherseits ist ja wirklich extrem reguliert. Und die können ja eben nicht einfach sagen Guck mal, hier machen wir was. Das ist ein super Konzept, beispielsweise für unsere Personalverwaltung oder so was habe ich jetzt hier eine Software entwickelt. Da könnt ihr das alles viel einfacher machen und eure Leute entlasten. Das können die ja gar nicht nehmen, sondern die müssten dann eine Personalsoftware ausschreiben und könnten die erst dann nehmen.

28:25Und ich habe diese Gespräche im Justizbereich, ich bin ja Kongresspräsidentin von dem Digital Justice Summit, wo wir jedes Jahr einmal im November so eine Bestandsaufnahme machen. Wie weit ist eigentlich die Digitalisierung im Rechtsbereich, also bei Anwälten, in den Gerichten, Justiz, Verwaltung usw? Und da hatte ich beispielsweise Leute, die kamen und sagten hier, ich programmiere was umsonst für. Und es gibt ja, gerade hier in Berlin gibt es ja auch das Verwaltungsgericht Berlin beispielsweise, das ja für das ganze Bundesgebiet zuständig ist, beispielsweise für bestimmte Verfahren.

29:05Und da sagte die Präsidentin, die damalige Präsidentin, die ist jetzt nicht mehr da. Im Ruhestand, sagte die Oh ja, das wäre super, wenn wir da was kriegen könnten, Gerade für dieses Verfahren. Und das war nicht möglich. Das hat die Justizverwaltung dann nicht genehmigt, dass die sich da so was programmieren lassen, obwohl das eine absolute sinnvolle Lösung gewesen wäre, weil ja kein anderes Gericht in Deutschland diese Fälle bearbeitet. Wäre also nichts gegen zu sagen. Also da steht man sich wahnsinnig im Weg.

29:39Und von daher war meine erste Reaktion also für die Verwaltung Es ist wirklich was anderes. Lass uns was anderes machen. Diese Sachen, die sind wirklich kompliziert, weil es einfach schwer ist, sie da hinzukriegen. Wird jetzt glaube ich, in Teilen ein bisschen leichter. Gibt ja auch mit dieser Organisation, so eine genossenschaftlichen Organisation, die sich an die Länder und Kommunen richtet. Da gibt es ja auch ganz gute Fortschritte. Die machen das. Die nehmen die alle mit. Schon gleich als Eigentümer quasi.

30:11Und dann ist es ein bisschen einfacher. Aber trotzdem Es ist immer noch sehr kompliziert. Ja, ich finde es bezeichnend am Ende. Also wen könnte man sich als besseren Experten wünschen und als dich da drin? Und selbst du sagst Boah, ich würde was anderes machen. Das ist ja für mich am Ende. Hey, wir wollen doch eigentlich, dass das beste Talent des Landes sich auch darum kümmert, wie wir die Infrastruktur unseres Landes im größeren Sinne insgesamt aussieht. Das wollen wir.

30:44Und ich glaube, es gibt auch schon immer mal wieder so Ansätze, wo man das Gefühl hat, es wird besser. Also was die da jetzt im Digitalministerium machen. Beispielsweise hat man ja manchmal das Gefühl, da passiert vielleicht doch was. Aber im Großen und Ganzen ist es überall noch so und das ist, glaube ich, völlig egal, ob das Bund, Land, Kommune ist oder Das gilt auch für große Unternehmen. Wenn man einfach sagt, kann man das mal machen. Dann gibt es einfach zu viele Bedenkenträger, die sagen Nee, das können wir nicht, da ist zu viel Ängstlichkeit. Also so ein bisschen diese Aufbruchsstimmung, die es so in den 60er Jahren gab, wo man gesagt hat, wir machen das jetzt einfach mal, die ist nicht mehr da, weil das alles so durchreguliert ist, dass man da doch sehr ängstlich ist. Ich glaube, das ist, wenn wir uns insgesamt angucken.

31:32Okay. Die Funktion des Einkaufs wurde mal kreiert und ich glaube, das ist ja auch in der Staatsregulierung ein großes Thema. Wir wollen nicht, dass Geld an die falschen Leute geht. Ja, wir wollen vor allem Bestechung verhindern. Genau. Genau. Das ist ein gut funktionierendes, oder? Das ist ein Problem für Vergaben, die häufig passieren. Wo klar ist. Okay, Wir wollen jedes Jahr uns nicht zwei Tonnen Papier kaufen oder so. Auf der anderen Seite ist aber ja das, wovon wir hier sprechen, das sind ja Vergaben, die existieren so noch gar nicht. Ich wusste als Unternehmen, als Staat vorher noch gar nicht, dass diese Lösung mir helfen würde.

32:08Und ich weiß das auch noch gar nicht, bis ich sie vielleicht mal ausprobiert habe. Erst dann kann ich genau sagen Ah, das sind meine Requirements. Ich will Ja, das stimmt, das muss noch eine Integration damit haben. Und ach, stimmt, wir hatten ja gar nicht dran gedacht. Die Kommunen müssten vielleicht auch noch mal ein Interface haben, was auch immer. Das heißt eigentlich auch da glaube ich mental den Unterschied zu machen zu. Das sind keine normalen Einkäufe, sondern es geht hier eigentlich darum, kleine Sachen einzukaufen, um daraus zu lernen und um daraus am Ende Schlussfolgerungen zu ziehen, für wie das Geld in der Zukunft ausgegeben werden soll.

32:45Macht das Sinn für dich? Würde es Sinn machen, das so zu machen? Ja, definitiv. Also mit unseren Corporates kriegen wir das so hin. Beim Staat fällt es mir bisher noch schwer, genau zu verstehen, mit wem. Auf welcher Ebene muss man welches Gespräch führen, damit das zu einer Möglichkeit wird? Es ist aber natürlich auch, wenn du, wenn wir jetzt das Kakerlakenbeispiel nehmen, das ist natürlich ein Muss, einen komplett anderen Test fahren, als wenn du irgendeine Software ausprobierst. Oder weil jetzt Volkswagen neues Material ausprobieren möchte. Also in diesem Verteidigungsbereich, glaube ich, sind Sie da ein bisschen flexibler. Ja, das stimmt, muss ich ehrlicherweise sagen, als in diesem ganz normalen Verwaltungsbereich, wo man aber auch ganz viel einsparen könnte, wenn man sich da mal mit besserer Software befassen würde oder da, wo jetzt auch KI nutzen würde. Also ich glaube auch einfach talentierte Leute motivieren würde mitzumachen, weißt du, weil so ich bin jetzt gerade jung, glaube an was, was kann

33:47ich für einen Beitrag leisten und gucke dann wo geht das? Dann gehe ich natürlich irgendwo hin, wo ich das Gefühl habe okay, hier komme ich voran und bin nicht in unendlichen Gesprächen, ohne dass tatsächlich praktisch was passiert. Also das ist ja für viele schon mal ein Grund gewesen, in den öffentlichen Dienst zu gehen, weil du gerade in der Ministerialverwaltung hier auf Bundesebene sehr schnell zu einer großen Verantwortung kommst. Also Digitalisierung haben wir viel besprochen und ich glaube auch ganz ehrlich, dass ganz oft hört, man denkt so an die sexy Themen auch sonst so, wenn da über Startup Ökosystem gesprochen wird, dann sprechen wir über Isar Aerospace oder?

34:26Ja, das ist schon eine Ausnahme. Ja, absolut. Aber trotzdem. Wir gucken uns oft so die großen Leaps an, wobei ganz oft auch einfach Geld verdient wird. Für alle mit langweiligen Themen und. Digitalisierung von Prozessen ist ja jetzt nicht das erste Thema. Nichtsdestotrotz würde es einen Riesenunterschied machen. Genau. Wenn du dir jetzt so die Technologielandschaft anguckst was glaubst du, müsste der Staat oder könnte der Staat noch besser verwenden? KI hast du vorher genannt, aber hast du irgendwelche Gedanken?

35:01Na ja, gut, also ich sag mal so in der Steuerverwaltung sind sie ja schon relativ weit mit Elster, aber das könnte natürlich auch noch ein bisschen benutzerfreundlicher gemacht werden. Und da könnte man auch mal jemanden dransetzen, der einem da hilft. Und da könnte man sicherlich auch mit KI schreiben von Verwaltungen erstellen lassen, die für ehemalige Justizministerin auch verständlich sind oder handhabbar. Also wenn ich beispielsweise noch an diese App denke zur Grundstückssteuer Geschichte. Ich war nicht in der Lage, das hier in Berlin auszufüllen. Da war so eine Frage nach irgendwelchen Raumgrößen.

35:38Da sind alle, die ich kannte, daran gescheitert. Es hat keiner irgendwie hingebracht. Bis ich dann Martin Schallbruch auch wieder fragen konnte, der natürlich alles kann. Martin Genau. Martin to the rescue. Und das hilft auch immer. Der wusste es dann auch und ich konnte es dann auch weitergeben. Aber das kann doch nicht richtig sein, dass man die Fragen so bescheuert formuliert, dass sich keiner irgendwas darunter vorstellen kann. Und in anderen Bundesländern war es ja auch anders. Ich habe das ja auch für Hessen und Niedersachsen ausgefüllt.

36:03Also gut, das war so das eine und ich habe jetzt gerade gestern ein Schreiben von der hessischen Verwaltung gekriegt, wo ich mich auch nur gefragt habe Und was wollt ihr mir jetzt damit sagen? Also so ganz einfache Sachen, das glaube ich, Das wäre gut, weil das auch dann wieder, wenn der Adressat der Bürgerin oder der Bürger ist, dann macht das auch wieder was. Wir reden ja dauernd von Staatsverdrossenheit und von den Schwierigkeiten, die Politik hat. Und das ist natürlich ein Teil davon, wenn die Menschen das Gefühl haben, dieser Staat versteht mich gar nicht oder ich verstehe diesen Staat nicht. Dann wird man ja auch irre.

36:37Also das will man ja dann auch nicht. Von daher glaube ich auch, dass es total wichtig ist, dass man sich da viel Energie reinsetzt, um diese Kommunikation zu verbessern und Erklärungen zu verbessern. Und dazu gehören auch die ganzen Apps, die es ja schon gibt, wo man sich beim Staat beschweren kann über Löcher in den Straßen oder falsch parkende Autos oder irgend sowas und wo man nur sagen muss, es wäre doch schön, wenn sich da mal jemand drum kümmert. Hier in Berlin ist es besonders eklatant. Da stehen also Autos, die objektiv nicht mehr fahrtüchtig sind, weil sie keine aufgeblasenen Reifen mehr haben. Stehen da anderthalb Jahre auf einer Straße, wo es sowieso schon keine Parkplätze gibt. Und da kommt man dann irgendwann mal auf die Idee, auch jetzt, wenn man da jetzt ein fünf Liter Benzin drüber schicken würde und das anzünden, dann müssten sie kommen und dass das Ding wegschaffen.

37:32So, und ansonsten passiert einfach nichts. Da kann man schreiben und machen und Ordnungsamt und Polizei und wie auch immer. Das war mal bei mir im Haus ein großes Ärgernis und die ganze Hausgemeinschaft war damit beschäftigt, das Auto, das wirklich anderthalb Jahre vor der Tür stand, da irgendwie mal wegzukriegen. Ja, ich würde dir komplett zustimmen. So, dass ich meine, dass man da irgendwie einfach die Möglichkeiten, die man durch Digitalisierung hat, stärker nutzen muss, um eine Bürgerzufriedenheit herzustellen. Es ist halt genau weil es wirklich so ist es eigentlich eine Technologiefrage oder ist es viel mehr eine Kundenzentriertheit?

38:13Oder aber es gehört zusammen Ich muss Technologie schaffen. Es nützt nichts, wenn ich sage ihr könnt euch hier bei mir melden. Habe ich gemacht, kriegt man erstens keine Antwort und zweitens passiert nichts. Dann brauche ich natürlich das auch nicht mehr. Dann ist das schlecht gemacht. Das ist ja alles witzlos dann ja. Also ich muss dann sagen, ihr könnt euch bei mir melden und dann kriegt ihr erstens eine Antwort, die kann ja automatisiert sein. Vielen Dank. Wir kümmern uns jetzt und melden uns. Und dann gibt es ein Wiedervorlage.

38:40Ein automatisches. Und dann? Wir sind noch dran. Wie auch immer, man freut sich ja, wenn man überhaupt irgendwie das Gefühl hat, da kümmert sich mal jemand. Na ja, und auch. Also ich glaube, jede kleine Experience, in der ich das Gefühl habe hey, guck, ich interagiere und da funktioniert was. So, das gibt mir wieder Vertrauen in das Land und sorgt dafür, dass ich noch mehr genau vielleicht geben möchte. Wenn wir uns jetzt mal überlegen, ich kann als Staat 1 € in einen Fund stecken, damit ein junges Unternehmen mehr Risikokapital zur Verfügung hat. Oder ich kann einen Euro stecken in die Zusammenarbeit zwischen einem Corporate und einem Startup, was im besten Fall dazu führt, dass das Startup einen langfristigen Auftrag hat und dass die etablierte Firma besser funktioniert.

39:31So rein aus dieser Perspektive. Für mich ist eigentlich die Rechnung sehr offensichtlich, dass der Staat ja doppelt profitiert davon, wenn diese Partnerschaften stattfinden. Also ist so bin ich bei dir. Auf der anderen Seite sage ich mir immer Also so ein Stück weit müssen die Unternehmen ja mal selber sehen, wie sie sich vorwärtsbewegen. Es ist ja erst mal ihr Ding, zu sehen, dass sie wettbewerbsfähig sind. Ich finde, sowieso wird von Unternehmensseite viel zu sehr nach dem Staat gerufen und der Staat soll es immer richten. Und gleichzeitig beschweren sie sich, dass der Staat so eingreift und das alles Staat so mächtig ist.

40:12Also das ist für mich geht das immer nicht so ganz zusammen. Und deshalb würde ich sagen, es kann sich da nur um Modellvorhaben handeln. Also das haben wir ja in verschiedensten Arten und Weisen. Also wir haben ja so Laboratorien auch, wo neue Rechtssachen ausprobiert werden können, wo bestimmte Regularien aufgehoben sind und man dann so, also da gibt es alles Mögliche, was man da machen kann. Und da fände ich sowas auch gut, dass man sagt, da fördern wir jetzt mal ganz gezielt, dass wir auch, ja, da müssen wir erst mal die Leute finden, die das dann machen können.

40:49Also so jemanden wie euch, der sich einfach auch ein bisschen auskennt, der sich vielleicht auch im öffentlichen Bereich auskennt mit dem vielleicht zusammen oder so, und dann sagen, Jetzt wollen wir da mal fünf verschiedene Sachen ausprobieren. Und das fördern wir auch, damit die einzelnen Ministerien beispielsweise das nicht aus ihrem Haushalt bezahlen müssen, weil da haben sie sowieso kein Geld für so was. Weil ich meine, Forschung da gibt es, da gibt es ja super viel und da läuft ja auch super viel Finanzierung rein. Aber so ein bisschen wie in der Finanzierung, also der Wagniskapital Finanzierung. Wo du sagst, da gibt es so, diese Lücke ist eigentlich okay, Ich bin jetzt ein Unternehmen, ich habe vielleicht meine zwei, drei ersten Piloten gefahren, habe ein hochkomplexes Produkt, wo jetzt Beispiel Hamburger Hochbahn oder so, weißt du dich? Ich könnte für die irgendwie ein neues Sensorik System aufsetzen, dass die schneller wissen, da ist ein Pfeiler, der muss noch mal

41:47gecheckt werden, dass die dieses Risiko so gehen, kann man ja. Kann man das jetzt von so einem Unternehmen erwarten? Und auf der anderen Seite wäre es aber ja so hilfreich, wenn da früher etwas passierte, anstatt dass dieses Unternehmen vielleicht diesen nächsten Schritt nie schafft, weil jeder sich sagt, das ist spannend, aber es ist irgendwie noch so nah an Forschung dran, dass ich das noch nicht sehe als Ich werde da Kunde von. Aber gerade solche Technologien sind ja sehr beliebt und da gibt es ja auch schon für die Bahn und werden auch schon genutzt. Also insofern, also das wäre gerade so eine Technologie, wo ich glauben würde, dass das wichtig ist, weil da muss man ja immer auch sehen, was kann passieren, wenn das nicht funktioniert.

42:32Also wenn so eine Hochbahn da einknickt und es passiert tatsächlich ein Unfall. Also das ist natürlich ein Risiko, das will keiner eingehen, das ist klar. Und deswegen muss man da sowieso sehr viel früher schneller besser dran als an solche Fragen, wo es einfach nur darum geht wie erleichtere ich Arbeit? Aber wo? Also so eine Haftungsfrage nicht da. Im Hintergrund steht. Aber in der Tat, zum Beispiel für den Mittelstand war unsere Perspektive immer viel. In der Vergangenheit hat so ein Test 100.000 € gekostet.

43:01Also nicht wir sprechen nicht so wenig. Da müssen sich Mitarbeiter drum kümmern, dass die Lösung gefunden wird, dass ein Case aufgesetzt wird. Dann muss die Lösung bezahlt werden. Manchmal auch nicht. Aber tendenziell ist es besser, wenn in so einem Test auch Geld fließt. Sonst ist das Commitment nicht so klar. Und das ist natürlich okay, wenn du sagst, so ein Projektrahmen typischerweise, das kostet dich 100.000 € als Unternehmen, da musst du schon ziemlich großen Hebel auf der anderen Seite haben, dass du sagst okay, dieses Risiko gehe ich ein, weil wir sind jetzt nicht bei zehn, 20 % Erfolgsrate, sondern eher in Richtung 50 %. Trotzdem, da brauche ich einen Erwartungswert von weit über 200.000 €, damit ich sage okay, das macht Sinn, diesen Test jetzt hier so zu fahren. Und ich glaube, das ist aus unserer Perspektive zumindest für den Mittelstand ein großes Thema.

43:55Wie kriegen wir das hin, dass dieses Testen von neuen Technologien so günstig wie möglich für sie wird, damit einfach mehr Business Cases am Ende valide umsetzbar sind? Und ist euch das gelungen? Ich würde sagen, auf vielen Ebenen, ja. Du hast die Thematik so, dass du über die Großen gesprochen, die hauptsächlich schon bei uns sind Mercedes, Bosch, Siemens. Die haben alle den Luxus, ein dezidierten Team aufzubauen, was dann eine Infrastruktur kreiert, das es dem Dienst allen Mitarbeitern in dem Unternehmen ermöglicht, leicht neue Sachen zu finden und auszuprobieren. Es ist aber in der Tat so, dass wir.

44:39Inzwischen sind wir eher so bei €50k, €40k all-in Kosten für so einen Test. Das heißt, weitaus mehr Business Cases sind möglich und haben auch in unserem Produkt, was am Anfang sehr fokussiert war auf den Innovationsmanager, Strategie, Leute etc. jetzt sehr viel mehr fokussiert auf die Leute, die tatsächlich die Arbeit machen und denen auch gar nicht darauf zu warten, dass die jetzt zu uns kommen und sagen Hey, ich habe dieses Problem. Natürlich können sie das gerne tun, aber viel mehr wir ihnen proaktiv sagen Guck mal, das sind die Sachen, die in deinem Umfeld passieren. Ein bisschen wie ein digitales Startup.

45:14Nichts so aber dann skaliert auf die Leute, die tatsächlich diese Probleme haben. Sind wir da schon da? Auf keinen Fall. Aber wie du weißt, auf einem guten Weg. Anknüpfend daran würde ich sagen Ja, ich glaube, ihr seid auf einem guten Weg. Und ich glaube, ihr seid vor allen Dingen auf dem richtigen Weg. Und diesen Weg aber jetzt noch mal zu beschreiben und Leuten klarzumachen, das ist der Weg, den wir gehen müssen. Ich glaube, da müsstet ihr noch ein bisschen mehr Schweiß reingeben. Ja, also da können glaube ich, so Business Angel wie ich vielleicht auch helfen. Und also, dass man da in die Kommunikation mit Ministerien beispielsweise noch mal anders geht, weil das ist natürlich auch immer eine bestimmte Sprache, die die sprechen und die man irgendwie verstehen muss und die man nutzen muss, um überhaupt mal eine Bereitschaft zu entwickeln, damit die überhaupt mal kapieren, um was es eigentlich geht. Denn das ist wirklich nicht trivial.

46:09Das sind so viele Probleme, die da so eine leitende Person täglich bewältigen muss. Und da muss man sich dann manche eben dann doch mal ein bisschen mehr motivieren, dass man sich da doch mal rein denkt. Danke dir sehr, dass du hier bist und natürlich auch wieder hier warst. Und für natürlich all die Verbindungen, die du schon kreiert hast. Ich verstehe das, dass du nicht mehr. Oder glücklich bist, nicht mehr in der aktiven Politik zu sein. Aber ich könnte ja sagen, ich würde dich wählen.

46:42Danke. Ich bin wirklich das du. Ach so? Ja. No Bullshit, straight. Um ehrlich zu sein, hast du mich der Politik und dem Staat viel näher gebracht, als ich das vorher war. Das freut mich. Das ist schön. Danke vielmals. Ja. Danke dir. Du hast mich den kleinen Dingen viel näher gebracht. Das vorher war sehr gut. Eine Sache.