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Venture Clienting bei Kärcher, mit Marvin Binder

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Lösungen statt Startups: Venture Clienting bei Kärcher

This episode is in German. Marvin Binder runs venture clienting at Kärcher, the German cleaning-equipment world market leader. He talks to Fabian Dudek about why he avoids the word “startup” internally, why creativity needs guardrails, how AI has cut sourcing from days to minutes without replacing the human judgement, and the risk of ending up with a thousand tools solving the same problem.

Marvin Binder ist in Pforzheim aufgewachsen und hat dort Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Danach hat er in München einen Innovation Hub für einen Dienstleister der Transportlogistik aufgebaut, war bei Plug and Play Tech Center und kam schließlich zu Kärcher, um das Innovation Lab neu aufzubauen. Heute verantwortet er dort das Venture Clienting, seit knapp zwei Jahren.

Kreativität braucht Leitplanken

Sein Satz, der am meisten hängen bleibt, klingt erst einmal unspektakulär: Innovation sei “absolutes People Business”. Interessant wird es, weil er das Gegenteil gleich mitdenkt. Freiräume brauche man, aber damit diese Freiräume etwas bringen, brauche es Leitplanken.

Die Prägung dazu kommt aus seiner Werkstudentenzeit in der Produktion, wo es um Standards und KPIs ging. Übertragen auf Innovation heißt das: klare Prozesse und Standards setzen, damit überhaupt Zeit und Kapazität übrig bleiben, um kreativ zu sein.

Dazu gehört ein sauberes Rollenverständnis. Seine Einheit maßt sich nicht an, die technischen Experten zu sein. Sie ist Expertin für ein Format, nämlich wie man von einer Problemstellung möglichst effizient zu einer Lösung von außen kommt. Die Fachbereiche bringen ihre Fachexpertise ein. Nur auf Augenhöhe funktioniert das.

Wie unterschiedlich die Themen dabei sind, zeigt seine Woche: montags Hochdruckreiniger, dienstags Sauger, mittwochs ein Fonds, in den Kärcher investiert ist, donnerstags ein Management-Workshop.

Lösungen statt Startups

Der begriffliche Punkt hat praktische Folgen. Kärcher arbeitet im Venture Clienting ab Technology Readiness Level 6 aufwärts. Das sind kleine bis mittlere Unternehmen mit zahlenden Kunden und einem marktreifen, getesteten Produkt. Frühphasiges gehört bei ihnen ins Investment, nicht ins Venture Clienting.

Deshalb vermeidet er das Wort Startup in der internen Kommunikation fast vollständig. Kollegen hören darin “Experiment”, und wer Quartalsziele hat, hat für Experimente keine Zeit. Sie nutzen gerne Dinge, die gut sind und funktionieren. Hinzu kommt, dass der Perfect Fit oft gar kein Startup ist, sondern ein etabliertes Unternehmen mit einer innovativen Idee oder eines, das ein junges Unternehmen gekauft hat.

Das Paradox: mehr Bedarf, weniger Budget

Die wirtschaftliche Lage erzeugt einen Widerspruch, den er offen benennt. Der Zugzwang, innovativ zu sein, steigt. Gleichzeitig sinken die Budgets.

Seine Antwort darauf verschiebt die Kennzahl. Effektiv heiße nicht nur, wie viel Geld man ausgibt, sondern wie lange man für die nächsten Schritte braucht. Wenn der Wettbewerber schneller ist, kann das teurer werden, als das Projekt selbst zu fahren und dabei fünfzig Prozent mehr auszugeben.

Venture Clienting ist dabei ausdrücklich nicht die Lösung für alles. Was das Unternehmen ausmacht, die eigenen USP-Technologien und Abläufe, gehört ins Haus. Für alles, was man nicht selbst lösen kann, muss oder sollte, hält er es für das effizienteste Werkzeug im Baukasten.

Das Praxisbeispiel: von SEO zu GEO

Ein aktuelles Prozessbeispiel ist auffallend nah an dem, womit sich gerade jedes Marketingteam beschäftigt. Früher ging es um SEO, also darum, in einer Google-Suche möglichst weit oben zu ranken. Inzwischen werde ein großer Teil der Anfragen direkt von Gemini beantwortet und über den klassischen Ergebnissen platziert. Wer in dieser Antwort nicht vorkommt, findet faktisch nicht statt, weil kaum noch jemand weiterklickt.

Daraus wird eine neue Disziplin: sichtbar werden in den Antworten von Gemini und ChatGPT. Ein Problem, das vor zwei Jahren niemand auf der Liste hatte, und ein gutes Beispiel dafür, warum externe Lösungen schneller zur Verfügung stehen als interne.

Warum LLMs die Arbeit nicht ersetzen

Naheliegender Einwand: Wenn Fachbereiche ein LLM fragen können, wozu dann noch eine Venture-Client-Einheit?

Seine Antwort hat drei Teile. Erstens der Match zwischen Unternehmen und Lösung, also Team und Unternehmenskultur. Zweitens der Blick hinter die Kulissen: Welchen Background bringen die Gründer mit, haben sie schon einmal gegründet, sind sie vom Fach? Drittens das Netzwerk. Andere Venture Units und Fonds lassen sich fragen, ob sie mit einem Anbieter schon gearbeitet haben.

Fabian ergänzt den entscheidenden Punkt: Der Engpass ist längst nicht mehr das Finden. Es ist der Weg, eine Lösung tatsächlich in die Hand zu bekommen. Bei Enterprise-Produkten wird man erst als Lead qualifiziert und führt mehrere Gespräche, bevor man überhaupt etwas sieht. Ein Fachbereich, der nebenbei operativ ausgelastet ist, braucht dafür schnell ein Jahr. Bis dahin haben sich Teams und Zuständigkeiten geändert.

Das Problem mit tausend Tools

Je besser das funktioniert, desto größer wird ein neues Risiko. Wird eine Lösung in Deutschland eingeführt, denkt der deutsche Fachbereich nicht an UK oder die USA. Die zentrale Einheit schon.

Ohne diese Klammer entsteht ein Berg von Einzellösungen, komplex und voller Medienbrüche. Oder wie er es zuspitzt: tausend Tools für ein und dasselbe Problem, und die IT sagt irgendwann, das maintaine sie nicht mehr. Teil der Aufgabe ist deshalb, auch mal zu bremsen und zwei Kollegen miteinander zu verbinden, statt ein weiteres Tool zu beschaffen.

Dass ein PoC kein Zweipersonenthema ist, wird dabei oft unterschätzt. Auf Kärcher-Seite sind Fachbereich, Legal, IT und sein Team beteiligt, auf Anbieterseite neben dem Vertrieb auch Entwickler. Aus einer Verbindung zwischen zwei Organisationen werden schnell dutzende zwischen einzelnen Menschen.

“Alles ist dokumentiert”

Hier wird er am deutlichsten, und es ist der Teil, den andere Einheiten sich abschauen sollten. Seiner Beobachtung nach sind Venture-Client-Teams daran gescheitert, dass Wissen in Köpfen lag und mit den Kollegen das Haus verlassen hat. Eine Excel-Liste hilft nicht, weil neue Kollegen daraus nicht verstehen, was vor drei Jahren warum passiert ist.

Die Konsequenz ist ein eigener Tech-Stack für Sourcing, Market Intelligence, CRM, Funnel- und Knowledge-Management. Und die Haltung dahinter, wieder aus der Produktion: Alles ist dokumentiert.

Beim Sourcing hat KI den Aufwand massiv verschoben. Was früher tagelanges Scouting war, dauert heute vielleicht vier bis zwanzig Minuten. Die gewonnene Zeit fließt nach vorne, in eine bessere Definition der Anfrage, und in einen Prozess, der in 14 bis 16 Wochen zu einem Ergebnis führt.

Erst der Köder, dann das Assessment

Ein Learning in der internen Kommunikation formuliert er sehr konkret. Zu sagen “komm zu unserem Innovation Hub und fahr einen PoC mit uns” funktioniert nicht, weil niemand einen PoC will. Man will eine Lösung für ein Problem, und der PoC ist bestenfalls ein Meilenstein auf dem Weg dorthin.

Der Hook ist deshalb die Lösung selbst. Man gibt den Fachbereichen ein Werkzeug, mit dem sie selbst Spannendes finden. Sobald der Glaube da ist, dass es etwas geben könnte, lässt sich fragen, warum das interessant ist und was es genau lösen würde. Das Assessment entsteht danach.

Dezentral heißt dabei nicht ohne Struktur. Über ein Venture Collective sitzen Ansprechpartner in den Bereichen, während die zentrale Einheit Sourcing und kuratierte Toplisten übernimmt. Mehr Verantwortung an die Fachbereiche zu geben, sieht er bis zu einem Punkt positiv, aber spätestens bei der Shortlist und der Bewertung von Gründern und Team brauche es jemanden, der das regelmäßig tut.

Die ungenutzte Entwicklungsabteilung

Der stärkste Gedanke zum Schluss kommt von beiden. Produktentwicklung bekommt im Konzern jedes Jahr ein festes Budget. Dem gegenüber stehen zigtausend Neugründungen allein in Deutschland und, auf Europa gerechnet, dreistellige Milliardenbeträge an Investitionen.

Das ist im Grunde eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die jemand anderes bezahlt. Sie gehorcht nicht, sie macht nicht genau das, was man ihr sagt, aber man kommt für vergleichsweise wenig Geld an das, was dort entsteht. Die US-Techkonzerne haben dieses Potenzial laut Marvin längst erkannt und investieren deutlich größere Summen in externe Entwicklung als deutsche Unternehmen.

Vier Ebenen für den Einstieg

Sein Rat an alle, die gerade anfangen, ist angenehm strukturiert:

  1. Wertversprechen. Was trägst du dazu bei, dass das Unternehmen seine strategischen Ziele erreicht?
  2. Prozess. Nirgends gehen so viel Zeit und Kapazität verloren wie in ungeregelten Prozessen, Standards und Schnittstellen.
  3. Kollektiv. Mit wem machst du das? Wie kommt der Bedarf aus der Firma zu dir, mit welchen externen Partnern arbeitest du, und über welche Formate erreichst du die Stakeholder?
  4. Team. Wer macht es, in der Venture Unit und im Management?

Außerdem in dieser Folge: was ein Innovation Hub zwischen Build, Partner und Invest eigentlich leisten soll, warum er zu fast allen Gründern der letzten zwei Jahre noch Kontakt hat, und warum er sich für die Zukunft ein kleines Team wünscht statt einer wachsenden Abteilung.

Wie holt ein Weltmarktführer Innovation von außen ins Haus, ohne dass am Ende 1000 Tools für dasselbe Problem im Einsatz sind? Fabian Dudek spricht mit Marvin Binder, der bei Kärcher das Venture Clienting verantwortet. Es geht darum, warum Innovation „People Business“ ist, warum Marvin lieber von Lösungen als von Startups spricht und warum LLMs Venture Clienting nicht überflüssig machen.


Shownotes
Marvin Binder hat in Pforzheim Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Danach hat er einen Innovation Hub in der Transportlogistik aufgebaut und war bei Plug and Play Tech Center. Bei Kärcher hat er zuerst das Innovation Lab neu aufgebaut und verantwortet heute das Venture Clienting. Im Gespräch erklärt er, wie Kärcher mit externen Innovatoren zusammenarbeitet: mit klaren Leitplanken, mit dokumentiertem Wissen und auf Augenhöhe mit den Fachbereichen.


Darüber sprechen wir
  • Build, Partner, Invest: was ein Innovation Hub leisten soll und wer sein interner Kunde ist
  • Warum Kreativität Leitplanken braucht (Marvins Prägung aus der Produktion)
  • Lösungen statt Startups: Kärcher arbeitet ab Technology Readiness Level 6
  • Das Paradox: Der Bedarf an Innovation steigt, die Budgets sinken. Tempo zählt mehr als Kosten.
  • Praxisbeispiel GEO: sichtbar werden in KI-Antworten von Gemini und ChatGPT
  • Warum LLMs Venture Clienting nicht ersetzen: Team-Fit, Gründer-Check, Netzwerk
  • Skalieren über Länder hinweg, ohne dass ein Wildwuchs an Einzellösungen entsteht
  • Tech-Stack und Wissensmanagement: „Alles ist dokumentiert.“
  • KI im Sourcing, Piloten in 14–16 Wochen und das Venture Collective
  • Startups als ungenutzte F&E-Abteilung
  • Die vier Ebenen für den Einstieg: Wertversprechen, Prozess, Kollektiv, Team

Kapitel
  • 00:00 Intro
  • 01:11 Marvins Weg zu Kärcher
  • 02:48 Was ist ein Innovation Hub?
  • 05:32 People-Mensch oder Ingenieur?
  • 08:12 Warum kein Tag wie der andere ist
  • 12:15 Startups oder Lösungen?
  • 16:12 Mehr Innovationsbedarf, weniger Budget
  • 17:28 Praxisbeispiel GEO
  • 21:08 Warum KI Venture Clienting nicht ersetzt
  • 23:25 Skalierung und das 1000-Tools-Problem
  • 28:23 Tech-Stack und Wissensmanagement
  • 29:39 Zentrale Einheit vs. befähigte Fachbereiche
  • 34:46 Erst der Köder, dann das Assessment
  • 37:45 Venture Clienting in zehn Jahren
  • 40:17 Startups als ungenutzte F&E-Abteilung
  • 42:44 Vier Tipps für den Einstieg
  • 44:33 Abschluss
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0:00Man kann ja viele Prozesse aufbauen, man kann Standards etablieren, aber da, wo es wirklich spannend ist, ist da, wo es dann anfängt zu menscheln, wo dann quasi Lösung auf Anwender trifft. Und das ist absolutes People Business. Und das macht eigentlich auch am meisten Spaß, weil da, wo es menschelt, da entsteht Reibung, entstehen coole Ideen. Da kann man sich mal gegenseitig befeuern, da kann man sich vielleicht auch mal gegenseitig bremsen. Und da gibt es halt keine Standards und kein Rezept dafür, dass man über alles legen kann. Das macht es dann auch quasi so spannend.

0:34So, we are rolling. Okay. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Wenn man an Kärcher denkt, denkt man an einen Weltmarktführer. Jedes Jahr entstehen weltweit Millionen neuer Unternehmen. Tausende davon entwickeln Technologien, Software oder Lösungen, die für Kärcher relevant sein könnten. Mein Gast ist Marvin Binder. Ich schätze Marvin besonders, weil er zu den Menschen gehört, die weniger über Innovationen reden und sich stattdessen einfach machen. Immer pragmatisch, immer mit dem Blick darauf, was das Unternehmen tatsächlich braucht. Marvin, schön, dass du da bist. Ja, vielen lieben Dank.

1:11Lass uns doch mal starten mit dir als Person. Wer bist du eigentlich? Wo kommst du her? Und wie hast du deinen Weg zu Kärcher und in deine aktuelle Position gefunden? Ich heiße Marvin, bin aufgewachsen in dem wunderschönen Pforzheim, habe dort die Hochschule besucht und habe das Bachelorstudium als auch das Masterstudium in Wirtschaftsingenieurwesen, internationalem Management bestritten. Und dann bin ich nach München gezogen, habe da ein Innovation Hub aufgebaut für einen Dienstleister der Transportlogistik. Und diesen Impuls habe ich dann noch mal wahrgenommen und bei Plug and Play Tech Center, einer ja wahrscheinlich die weltweit größte Open Innovation Plattform, dann auch einen neuen Job anzunehmen, in dem ich eine neue Art der Servicedienstleistung entwickelt habe, und bin dann schließlich zu Kärcher gekommen, um das Innovation Lab neu aufzubauen. Habe das dann auch gemacht, bin dann über Umwege wiederum wieder zurück ins Venture Clienting reingerutscht bzw.

2:19habe jetzt so eine Fifty fifty Stelle, um da auch noch mal den kompletten Prozess zu überdenken, die Dienstleistung zu überdenken, die Schnittstellen zu externen Kollegen oder auch zu externen Partnern neu aufzubauen oder weiterzuentwickeln. Und so sind wir auch dann zusammen in Kontakt gekommen. Was eine wunderschöne eigene Story in sich ist. Was ist die Definition davon eigentlich für Leute, die nicht so tief in diesem Space sind? Was bedeutet Innovation Hub? Im Innovation Hub passieren einige Dinge. Zum einen passieren Innovationstätigkeiten, die aus dem Unternehmen von Kollegen zusammen in Workshop Formaten generiert werden.

3:11Dort werden neue Geschäftsfelder entwickelt oder generiert, Potenziale aufgezeigt. Ein Innovation Hub sollte auch dazu dienen, jedem Mitarbeiter, der vielleicht nicht die Möglichkeit hat, im täglichen Geschäft als kleiner Unternehmer zu agieren, auch die Möglichkeiten zu bieten, das auch mal zu tun. Anhand von Entrepreneurship Days, also Formaten, in denen Ideen außerhalb der eigenen Bubble entwickelt werden können, oder dass man quasi das Handwerk oder das Werkzeug mitgibt, wie man denn eigentlich zusammen mit den Kollegen auch mal ausbrechen kann aus dem Alltag und sich neue Ideen generieren kann.

3:52Zum anderen ist natürlich dann auch das Mentoring ein Aspekt davon. Venture Investments als auch natürlich das Venture Clienting. Und dann muss man schauen, wie man das Ganze aufbaut. Aber das ist so die volle Bandbreite, die ich da so sehe. Wenn ich das noch mal zusammenfasse: Hat der Innovation Hub also drei Services. Einmal Build internal, also komm hierher und baue mit uns ein neues Unternehmen. Als zweites finden mit uns neue Partner oder Zulieferer, die innovativ sind. Oder als Drittes investiert ihr auch oder kauft die auch Unternehmen?

4:29Genau. Also das wäre quasi Build, Partner, Invest. Ich sehe aber auch genau hier ein Knackpunkt im ganzen Innovationsumfeld, wo man sich auch als Abteilung selber die Frage stellen muss: Wer ist eigentlich mein interner Kunde und was ist eigentlich die Notwendigkeit, die die Firma sieht und auch quasi hat, damit man das beste Produkt auch für die Firma anbietet? Das heißt, man sollte sich auch immer überlegen, was braucht die Firma, wo steht die Firma und wie können wir da den besten Beitrag dazu leisten, damit wir unsere strategischen Ziele erreichen? Und da gibt es dann natürlich keine eins zu eins Umsetzung, die überall funktioniert, sondern jedes Unternehmen tickt anders.

5:16Das Innovation ist absolutes People Business. Du musst auch auf die Kollegen eingehen und dann herausfinden, was ist da das Beste? Die beste Lösung auch für das Problem Innovation im Unternehmen. Würdest du dich mehr als People Mensch oder mehr als Ingenieur beschreiben? Als Wirtschaftsingenieur muss man da immer vorsichtig sein, ob man sich da als Ingenieur betitelt. Ich würde mich aber als Teilteil sehen. Zum einen natürlich als People Business als auch als Leitplanken Geber, weil was meines Erachtens oftmals im Innovationsumfeld oder auch im Venture Clienting vergessen wird: Klar, wir müssen aktiv sein, wir müssen kreativ sein, wir brauchen Freiräume. Aber damit man diese Freiräume richtig kanalisiert, braucht es richtige Leitplanken. Und da kommt auch so mein Background aus meiner Werkstudententätigkeit.

6:23Lange Zeit in der Produktion gearbeitet, in der Produktionsabteilung, wo es natürlich sehr viel um Standards geht, sehr viel um KPIs geht, dass man da die richtigen Leitplanken setzt, die richtigen Prozesse definiert und auch die richtigen Standards setzt, damit man wirklich auch schnell vorankommt und auch wirklich die Zeit und auch die Kapazität besitzt, die kreativ richtig auszuleben und zu kanalisieren. Ergibt für mich total Sinn. Du möchtest ja, dass Kollegen, die vielleicht seit Jahrzehnten in ihrem Job sind, zu dir kommen und sich so ein bisschen nackig machen eigentlich. Und sagen: Hey, hier habe ich das Gefühl, das könnten wir besser machen. Das werden die ja nicht tun, wenn die nicht ein gewisses Maß an Autorität und Respekt zuschreiben, der wahrscheinlich auch dadurch gewonnen wird, dass sie denken: Okay, der hat ein bisschen Ahnung von dem, was ich mache, oder? Ja, das ist natürlich aber auch dieses Spiel.

7:20So wie ich in den Wald reinschreibe, so kommt es dann auch wieder raus. Dieser Respekt muss natürlich auch von unserer Seite in die Bereiche reingehen. Wir können uns nie anmaßen, die technischen Experten zu sein oder die Experten in Sales Prozessen oder anderem. Wir sind Experten in dem Format: Wie kann ich aus einer Problemstellung so effizient wie möglich eine Lösung finden von außerhalb, die uns dann quasi hilft? Und die Bereiche bringen dann die Expertise in ihrem jeweiligen Fach ein. Und nur in diesem Zusammenspiel und diesem Treffen auf Augenhöhe funktioniert das Ganze dann auch. Und da gehört natürlich dann auch Vertrauen dazu. Da gehört Respekt dazu. Und da gehört auch so ein gewisses Rollenverständnis dazu. Macht dir dein Job Spaß?

8:16Ja, also ich als Wirtschaftsingenieur kann man ja eigentlich so ziemlich in jedem Bereich gehen, weil man alles mal so kurz angeschaut hat im Studium. Was mir aber beim Venture Clienting oder generell im Umfeld Innovation super viel Spaß macht, ist die Abwechslung. Das heißt, montags habe ich ein Thema mit unseren Hochdruckreiniger Kollegen. Dienstags stehe ich mit Kollegen zusammen, die Sauger bauen. Mittwochs habe ich einen Termin mit einem Fund, in dem wir investiert sind, und spreche über neue Technologien, die dort investiert werden.

8:54Donnerstags habe ich einen Workshop, in dem ich mit dem Management zusammen stehe. Also die unfassbare Vielfalt der Themen, die man da hat, und auch die ganze Zeit, die wir haben, um uns in bestimmte Themenfelder reinzudenken, da dann zu versuchen, eine Lösung zu generieren. Das macht es unfassbar herausfordernd, abwechslungsreich, aber halt auch jeden Tag aufregend, weil kein Tag sieht aus wie der nächste. Das hört sich sehr gut an. Ich finde vor allem auch, du kannst ja auch sagen, okay, als VC hättest du theoretisch auch sehr viel Exposure.

9:35Das ist nicht so sehr die Corporate Seite, aber sie ist auch ganz viele verschiedene Märkte und lernst passionierte Gründer kennen. Was mir da aber von außen gedacht für mich immer fehlen würde, ist. Was ich viel spannender finde, ist die Lösung, die diese passionierten Gründer entwickeln, tatsächlich in der Umsetzung zu sehen. Das ist ja die eigentliche Innovation. Dass jetzt Geld in irgendein Unternehmen fließt, ist cool und gut und eigentlich Outcome von guter Arbeit, die vorher geleistet wurde. Aber die tatsächliche Innovation zu sehen und Teil davon zu sein, von diesem Iterationsprozess, das ist für mich das.

10:16Wie, weiß ich nicht. Als ich früher als Kind irgendwas neu gebaut habe und dieses Gefühl hatte von: Ich vergesse die Zeit komplett, und morgen früh, direkt nach dem Aufwachen, erstes Ding ist die Bude weiterbauen. Sehe ich genauso. Man kann ja viele Prozesse aufbauen. Man kann Standards etablieren, dann eins nach dem anderen abhaken und so einmal durch den Prozess laufen. Aber da, wo es wirklich spannend ist, ist da, wo es dann anfängt zu menscheln, wo dann quasi Lösung auf Anwendung trifft.

10:48Und da ist wirklich halt jeder Fall unterschiedlich. Und da muss man dann auch schauen, wie bekomme ich jetzt auch die richtige Gruppe zusammen, damit man dann quasi auch diese Lösung dann implementieren kann? Und am besten natürlich dann auch weltweit skalieren kann. Und das ist absolutes People Business. Und das macht eigentlich auch am meisten Spaß, weil da, wo es menschelt, da entsteht Reibung, da entstehen coole Ideen, da kann man sich mal gegenseitig befeuern, da kann man sich vielleicht auch mal gegenseitig bremsen. Und da gibt es halt keine Standards und kein Rezept dafür, dass man über alles legen kann, und das macht es dann auch quasi so spannend.

11:27Mit wie vielen von den Gründern, von Unternehmen, Startups, mit denen ihr zusammengearbeitet habt, bist du jetzt noch in Kontakt? Ich mache das Venture Clienting oder verantworte Venture jetzt seit knapp zwei Jahren. Mit denen, die in diesem Zeitraum zu uns gekommen sind, eigentlich mit allen, weil so ein Prozess ist nicht damit abgeschlossen, dass man die Lösung dann implementiert hat, sondern es ist auch ein stetiges Wachsen, stetiges sich nochmal neu finden. Da tut sich ja auch viel in jungen Unternehmen, das heißt, da kommen vielleicht auch neue Features dazu. Da kommen neue Technologien, können wir die vielleicht auch noch mal in anderen Bereichen mit einsetzen?

12:09Deswegen ist der Kontakt eigentlich sehr, sehr wichtig. Und auch dieses regelmäßiges gegenseitiges Abholen. Wenn wir über Startup sprechen, es ist mir aufgefallen, in einigen Gesprächen vorher schon, dann denken Leute immer so an zwei Studentinnen irgendwo in der Garage. Wie sehen die Firmen eigentlich aus, mit denen ihr zusammenarbeitet? So von bis, was war das früheste und was war das weiteste? Also man kann da natürlich nie ausschließen, dass es da von beiden Enden das Spektrum was gibt. Hauptsächlich aber, was ich im Venture Clienting eigentlich wahrnehme, ist, dass wir dann nicht in das volle Risiko gehen möchten, sondern schon zu einem bestehenden Problem auch eine bestehende Lösung einsetzen möchten.

12:56Das heißt, diese frühphasigen Unternehmen sind eigentlich eher bei uns im Investment angesiedelt, wo man sagt: Hey, da entwickelt sich was mit großem Potenzial. Das ist aber noch nicht so weit. Aber damit wir da gleich mit dabei sind, sollten wir uns überlegen, hier vielleicht mit einzusteigen. Wir beim Venture Clienting sind aber im Normalfall, was das Technology Readiness Level angeht, so ab sechs aufwärts unterwegs. Das heißt, wir haben hier eigentlich schon ein kleines Unternehmen, mittleres Unternehmen, das zahlende Kunden hat, das Produkt ist eigentlich marktreif, wurde getestet, und deswegen tue ich mich auch schon lange schwer, mich rein in der Kommunikation auf Startups oder den Begriff Startup zu konzentrieren, sondern eigentlich sind wir im Venture Clienting damit beauftragt, zu Problemen innovative Lösungen zu finden.

14:00Und da ist es oftmals auch so, dass es nicht unbedingt nur Startups sind, die das Ganze dann lösen oder den Perfect Fit bieten, sondern es können auch etablierte Unternehmen sein, die eine innovative Idee hatten, oder etablierte Unternehmen, die ein kleines Unternehmen, ein neues Unternehmen aufgekauft haben. Und deswegen konzentriere ich mich eigentlich immer darauf, dass ich Lösungen anbiete und nicht nur Startups. Sehr schön. Sehe ich genauso. Ich finde es spannend. Also am Ende, wo kommt der Begriff Startup her?

14:34Kommt eigentlich von Lean Startup und einer neuen Methode, Businessmodelle zu validieren. Und inzwischen hat dieser Begriff irgendwie so ein Eigenleben entwickelt. Wo für den einen ist ein Startup das man Facebook, Uber und Airbnb und für den anderen ist es das Digital eher. Für den anderen ist es okay, ich starte jetzt gerade etwas neu, deswegen ist das ein Startup. Ich glaube, am Ende ist es in dem Kontext Innovation Hub, Venture Clienting, partnering with innovative new companies, es ist in der Tat gar nicht so hilfreich.

15:15Wir nutzen es auch sehr, sehr, sehr wenig in der Kommunikation mit internen Kollegen, weil die, wie gesagt, dann denken: Boah, wollte jetzt hier mit mir Experimente machen? Ich habe einen Job hier und ich habe Ziele, die ich nächstes Quartal erreichen muss. Und da habe ich jetzt keine Zeit für Experimente. Ich nutze gerne Sachen, die gut sind und funktionieren, aber sonst nicht. Und da kommt auch ein ganz wichtiger Aspekt von Innovationsabteilungen oder Venture Clienting Abteilungen hinzu. Es schwingt immer in unserer Arbeit ein gewisses Risiko einher. Wir haben jetzt eine wirtschaftliche Lage in Deutschland, die jetzt natürlich sehr angespannt ist. Und da ist natürlich zum einen der Zugzwang da, innovativ zu sein, neue Technologien an Markt zu bringen, aber auch natürlich auf der anderen Seite muss man natürlich schauen, wo man denn eigentlich das Geld investiert. Ich finde, du sprichst etwas ganz Wichtiges an.

16:12So im Grunde ist es ein großes Paradox, oder? Dass die Nachfrage nach Innovation oder das Bedürfnis nach Innovation wächst und die Budgets sinken. Ja, das ist umso wichtiger jetzt, dass wir sehr effektiv die nächsten Schritte gehen können. Und ich glaube, effektiv heißt hier nicht nur, wie viel Geld geben wir dafür aus, sondern auch, wie lange brauchen wir dafür, die nächsten Schritte zu gehen? Weil wenn der Wettbewerber die Schritte schneller geht, ist das unter Umständen teurer, als wenn wir die Projekte 50 % teurer selber gefahren haben, aber dafür schneller. Richtig. Und da kommt auch ein großer Aspekt von Venture Clienting ins Spiel. Venture Clienting ist nicht die Lösung für alles.

16:59Man sollte schon die USP, Technologien oder Abläufe, Dienstleistungen, die das Unternehmen ausmachen, die sollten auch immer im Unternehmen bleiben. Aber Dinge, die man nicht selber lösen kann, muss oder sollte, da ist dann quasi Venture Clienting das beste Tool, das effizienteste Tool, das man da hat in den Baukasten Innovation. Und daher glaube ich auch, dass den Bereich Venture Clienting auch immer mehr Bedeutung zukommen wird in Zukunft. Lass uns das Ganze mal vielleicht konkret machen anhand eines Beispiels.

17:33Wir sprechen jetzt sehr abstrakt, aber was sind denn so typischerweise Probleme, die dir durch Venture Clienting adressiert? Also generell kann man durch Venture Clienting sowohl Prozessinnovationen, Produktinnovation oder Geschäftsmodellinnovation betreiben. Jetzt gibt es da verschiedene Strategien. Die einen konzentrieren sich rein auf Prozessinnovationen, die anderen rein auf Produktinnovationen. Ich bin ein Freund, der das auf jeden Fall auf 50/50 zu halten. Und wenn man mal so ein Prozess Innovationsthema sieht, dann ist es zum Beispiel gerade aktuell ein Thema: Wenn wir früher über SEO Optimierung gesprochen haben, also wie schaffe ich es, dass mein Unternehmen so hoch es geht in einer Googleanfrage gerankt wird, so ist es mittlerweile immens wichtig geworden, GEO-Optimierung zu betreiben. Das heißt, 50 % oder mehr der Anfragen, die in der Google Taskleiste mittlerweile oder Suchleiste eingegeben werden, werden durch Gemini beantwortet und ganz oben platziert. Und die normalen Ergebnisse, die über die normale Google Anfrage dann wie früher erscheinen, kommen erst danach.

18:56Und daraus entwickelt sich natürlich so ein Trend, dass niemand mehr über diese Gemini Antwort dann quasi rausgeht, oder sei es ChatGPT, sondern dass das natürlich immer, immer wichtiger wird. Wie kriege ich es hin, mein Unternehmen in Prompting nach oben zu setzen und sichtbar zu machen? Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst. Normalerweise denkt man so: Ja, okay, die können ja auch selber mal ihr Favorite LLM fragen, was es da für Lösungen so gibt.

19:32Was ist das jetzt für ein Service, dass das die andere oder auch noch ein paar neue mögliche Lösungsanbieter finden? Aber der Weg, die Lösung tatsächlich zu sehen? Wir sprechen ja hier meistens über Enterprise Produkte, die hinter einem Prozess sind, wo ich mit mehreren Menschen sprechen muss, bis ich dann mal die Lösung sehen darf. Und vorher werde ich erst mal qualifiziert als Lead. Was ja auch Sinn macht in einem Sales Prozess. Weil wenn du dir das jetzt als Fachbereich vorstellst, der operativ eigentlich viel zu tun hat, dass die Möglichkeit sieht, da vielleicht etwas zu optimieren, und dann aber mal fünf Firmen durch einen zwei drei Stunden Prozess gehen muss, bis sie dann mal das Trial in der Hand haben, sollte es eine Trial geben, oder wirklich die spezifischen Informationen, die sie brauchen, um zu evaluieren, ob es für ihren Use Case passt.

20:27Da sprechen wir, glaube ich, über sehr viel Zeit, die oft vergessen wird und stattdessen einfach nur sich diese Researchzeit selber angeguckt wird. Das ist natürlich ein ganz großer Aspekt. Dass die Lösung ist das eine. Der Match zwischen Unternehmen und Lösung ist natürlich das andere. Und da kommen natürlich wir ins Spiel. Und da bleibt es menschlich. Und da wird es auch immer menschlich bleiben, weil es da natürlich auch einen gewissen Match geben muss. Das andere ist natürlich auch, die Themen hinter den Kulissen anzuschauen. Wie ist das Unternehmen aufgestellt?

21:05Welche Erfahrungen bringen denn die Gründer mit? Kann man sich darauf verlassen? Richtigerweise könnte man davon ausgehen, dass man auch durch das Aufkommen von LLMs, durch Prozesse eigentlich Venture Clienting nicht mehr braucht. Aber was man da immer vergisst, ist natürlich, dass es da viele Aspekte gibt, die man halt nicht durch eine KI lösen kann. Und zwar ist es natürlich auch immer der Match zwischen Unternehmen und der Lösung in Form von Team bzw. Unternehmenskultur. Das ist das eine.

21:47Man muss natürlich auch mit der Erfahrung darauf schauen, welchen Background bringen die Gründer mit, die das Unternehmen gründen? Haben sie schon mal gegründet? Sind sie vom Fach? Andere Venture Units fragen: Habt ihr da Erfahrungen? Mit wem arbeitet ihr da? Funds fragen: Hey, habt ihr in dem Bereich schon mal gearbeitet? Könnt ihr da irgendwie aus Erfahrung uns etwas mitgeben? Und da wirklich auch mit dem Netzwerk zusammenarbeiten. Und das ist was? Es gibt natürlich so eine Anfrage nicht aus.

22:27Absolut, ja. Ich glaube, das negiert den großen Grund, warum nutzen Fachbereiche nicht mehr innovative Lösungen schon? Das ist ja nicht, dass die nicht wissen, dass da draußen potenziell Spannende wären. Aber der Prozess für diese Lösungen tatsächlich in die Hand zu bekommen und dann auszuprobieren, ist einfach unglaublich lang und schwer. Widrig. Fachbereich macht das ja eher in einem Jahr plus. Bis dahin gibt es wahrscheinlich noch mal drei Organisationen und zwei Kollegen. Haben die Teams noch mal komplett gewechselt oder sind ausgeschieden.

23:08Ich glaube, das ist die Hilfe dabei, neue Lösungen zu finden. Es ist, glaube ich, inzwischen weniger relevant als die Unterstützung im Prozess selber. Und vor allem dann auch die Koordination dahinter. Wir stellen uns jetzt mal vor, ihr habt eine coole Lösung gefunden für die Suchbarkeitsoptimierungslösung. Ja, und ihr habt die bisher aber nur für Deutschland implementiert. Dann gibt es ja noch zig andere Länder, wo ihr die theoretisch auch implementieren könntet. Der Fachbereich für Deutschland hat kein Interesse und auch nicht die Perspektive, jetzt noch mal an UK, US etc.

23:49zu denken. Hier als zentrale Einheit aber sehr wohl. Jeder möchte effizienter werden, schneller werden, jeder möchte noch mehr aus seinen Daten rausholen. Und da gibt es natürlich die Gefahr, dass man sich da einen Haufen oder einen Berg von Einzellösungen da anschafft, die natürlich wieder unheimlich komplex und mit vielen Mediensprüngen dann einhergeht. Und da ist natürlich auch eine Venture Unit, die da in diesem Prozess mitspielt, ein Player, der das schon auch die Aufgabe hat, da Dinge zu sehen oder auch Synergien zu sehen, die man dann auch wieder verknüpft und auch hier und da mal sagt: Klar, unsere Aufgabe ist es, Lösungen zu finden, erfolgreiche Piloten durchzuführen, die dann im Endeffekt implementiert werden sollen. Wo man echt auch manchmal sagen muss: Hey, wartet mal, stopp! Was genau wollt ihr da?

24:51Okay, dann lasst uns doch mal mit Kollegen XY zusammensetzen, weil die haben da schon mal eine Lösung und die könnt ihr euch da auch weiterhelfen. Habe ich zwei Punkte zu. Einmal, von außen hört sich das so an wie: Ah, ist doch easy. Kärcher arbeitet halt mit dem Unternehmen zusammen. Es ist halt Tinder for Business. Die Realität ist aber ja, das Kärcher ist zwar ja eine Entity und das Startup oder der innovative Lösungsanbieter auch. Ein PoC zwischen einer Firma und Kärcher heißt ja nicht, dass zwei Personen da miteinander arbeiten, sondern bei Kärcher sind verschiedene Leute aus dem Fachbereich involviert. Verschiedene Leute, die überhaupt dafür sorgen, dass diese Lösung, selbst wenn temporär, onboarded werden kann.

25:41Legal, IT, du und dein Team. Und auch auf der Lösungsanbieter Seite sprichst du ja typischerweise nicht nur von einer Sales Person, die vielleicht diesen Deal jetzt initiiert hat, sondern dann sind da Entwickler, die noch mal Anpassungen vornehmen, zusammen mit dem Fachbereich, und dann wird es noch komplexer. Dann hast du den Prozess und fängst dann an, okay, jetzt noch die anderen Länder Organisationen. Das heißt eigentlich, aus dieser einen Node Lösungsanbieter und Kärcher entstehen wahrscheinlich hunderte, mindestens dutzende Verbindungen noch mal zwischen einzelnen Menschen, die eigentlich kreiert werden müssen.

26:20Allein schon diese Verknüpfungen oder Verbindungen sind schon komplex. Aber dann ist ja natürlich noch jeder Mensch anders. Das heißt, da ist wirklich dann dieser spannende Aspekt wie People Business mit dabei. Und da läuft auch, würde ich sagen, jedes Projekt anders. Also man kann sich da dann Prozesse aufbauen, KPIs kreieren. Man kann Standards setzen. Aber dann gibt es das eine Team, das unheimlich agil und sehr aktiv ist, wo man sich wirklich weiß: Okay, ich ziehe mich hier lieber ein bisschen raus und achte darauf, dass wir zur richtigen Zeit die richtigen Informationen haben und wir dann zum Schluss einen Strich drunter ziehen und sagen: Okay, wie war es? Was wollen wir damit tun? Und bei anderen Teams muss man da wirklich auch tief dann in die Materie mit einsteigen und muss dann quasi wirklich auch sehr großer Teil des Projektes sein. Und das ist eigentlich so die Würze, die es beim Venture Clienting dann gibt. Da kommen wir wieder zum Menschen.

27:27Woran wir auch gerade sehr, sehr viel arbeiten: Kollaboration, und Kollaboration, ohne dass man irgendwas machen muss, sondern was ganz oft einfach passiert ist. Jetzt sucht ein Kollege bei euch auch nach Lösungen. Da wäre es ja total hilfreich, wenn der wüsste: Hey, diese vier Kollegen haben in der Vergangenheit sich auch schon dieses Thema angeguckt und da ist sogar schon dieses Projekt gefahren worden. Vielleicht war der PoC am Ende nicht erfolgreich, aber die Nodes und die Verbindungen auch innerhalb des Unternehmens zu schaffen, was ja im Grunde so organisch entwickelte Kompetenzzentren sind, in diesem Fall dann zum Beispiel für GEO. Ja, und da kommt ein Aspekt mit ins Spiel, den man, glaube ich, sehr lange im Venture Clienting vernachlässigt hat.

28:23Es ist unheimlich wichtig, einen richtigen Tech-Stack sich zu erarbeiten, damit man zum einen weiß, wo source ich, wo kriege ich das Market Intelligence her? In dem Fall CRM, Funnel Management, Knowledge Management. Ja, ich habe das Gefühl, dass einige Innovations Venture Clienting Teams auch daran gescheitert sind, dass Mitarbeiter, die lange da waren und viel dieses Wissens selber bei sich gehalten haben, dann ausgeschieden sind. Und nur weil das irgendwo in einer Excel Liste mal runtergeschrieben wurde, heißt es ja nicht, dass die neuen Kollegen das automatisch verstehen oder dann auswendig lernen und dann sagen: Ah ja, stimmt, ich erinnere mich, die Henriette, die hatte dieses Thema auch vor drei Jahren. Ich glaube, das mit ganz vielen kleinen Einheiten, dass sehr viel in Köpfen passiert ist, sehr viel richtig gemacht wurde, aber es nie in einen Standard gegossen, in eine Dokumentation gegossen wurde und man da sehr viel natürlich verloren hat, wenn dann bestimmte Kollegen gegangen sind.

29:29Und da kommt wieder so ein bisschen mein Background hervoraus aus der Produktion. Ganz wichtig für mich ist immer: Alles ist dokumentiert. Ja. Wie sehr siehst du, dass du einfach die Kapazität für diese Servicedienstleistung, die er gerade anbietet, erhöhst im Sinne: Du fügst mehr FTEs hinzu, versus du gibst mehr Verantwortung an die Fachbereiche und befähigt die Fachbereiche mehr zur Selbsthilfe? Also zum einen haben wir ein riesiges Potenzial mit KI aus den Schritten, wo große Massen quasi in kleinere Massen vorselektiert werden müssen, wo wir entweder durch einen Prozess oder halt durch wirklich die Gems, die man erstellt, quasi im Sourcing am Anfang schon mal anfängt, sich da ja Hilfe zu holen. Wo man früher tagelang erstmal gescoutet hat, braucht man heute vielleicht noch vier Minuten, 20 Minuten. Wir versuchen die Zeit rauszunehmen am Anfang des Prozesses. Was die Definition der Anfrage angeht, da die Qualität zu erhöhen in Form von einem begleiteten Prozess für die Bereiche, und natürlich dann

31:03durch einen strikten Prozess mit festgelegten Standards, die alle dazu dienen, dass das Projekt reibungsfrei wirklich in 14 bis 16 Wochen zu einem Ergebnis führt. Das zweite ist dann natürlich: Innovation, haben wir am Anfang ja auch schon besprochen, kann nicht in einem Ivory Tower in einer Innovationsabteilung alleine passieren, sondern ganz wichtig ist, dass Innovation dezentral passiert. Deswegen legen wir auch Wert darauf, dass die Entrepreneurship Days durch Vermittlung von agilen Methoden, dass die Kollegen da auch tätig werden können in ihren Bereichen ohne uns. Und da ist es natürlich wichtig, dass man pro Bereich da Personen sitzen hat, die für uns die Ansprechpartner sind und auch für uns quasi auch so ein bisschen der Sparring in dem Ganzen Bilde.

32:03Und da ist es natürlich extrem wichtig, dass man in diesem Venture Collective, in diesen Terminen auch da die richtigen Leuten mit der richtigen Denkweise und auch mit dem richtigen Sprachrohr in den Bereich dann sitzen hat, damit man, da sich die Tätigkeiten auch auf Schultern verteilt und wir als zentrale Venture Client Einheit eigentlich klar das Sourcing übernimmt, das Kuratieren der Toplisten, aber dann ganz viel Projektmanagement, das dann quasi nicht in dem Bereich liegen sollte, sondern die sich rein auf die fachliche Bearbeitung der Themen dann konzentrieren können.

32:43Das heißt, glaubst oder willst du mehr der Tools, die ihr kreiert habt, dann an die Fachbereiche geben? Dass jetzt schon gesagt, okay, es gibt einen Prozess, um die Needs zu definieren, aber die könnten ja auch theoretisch selber die Sourcing Tools verwenden, oder? Und theoretisch auch sogar den Prozess dahinter, den ihr jetzt gebaut habt mit IT, Procurement etc. Ja. Das könnte man jetzt theoretisch tun, und man könnte ja quasi die Vision aufbauen, dass wir ein Champions Netzwerk oder dieses Venture Collective so aufbauen, dass wir die Kollegen in eben diese Prozesse oder diese Erkenntnisse, die wir haben, als Venture Manager sich anzueignen, und dann wäre sowas möglich. Ich sehe es aber etwas kritisch zum jetzigen Zeitpunkt, weil das wäre ja tendenziell, wie wenn ich mich plötzlich ins Produktmanagement setzen würde und da quasi für mich da Produktmanagement betreiben würde.

33:44Das würde ich mir niemals zulassen wollen. Und da braucht es schon Erfahrung und Kenntnisse und auch so ein bisschen Fingerspitzengefühl in bestimmten Themen, wo man einfach mitbringen muss, damit man da die richtigen Lösungen generiert. Und deswegen kannst du diese Versuche mal so grob reingehen in das Thema. Da finde ich, kann man schon so gewisse Verantwortung abgeben. Aber gerade wenn es dann so Richtung Shortlist geht, wenn es dann darum geht, wirklich sich auch mal die Gründer, das Team anzuschauen, da braucht es natürlich schon jemand, der das öfters tut, aus Erfahrung auch weiß, wie er was dann zu lesen hat. Und daher würde ich da schon sagen, dass es wichtig wäre, dann, wenn ein Experte immer an der Seite zu haben. Ich denke, so in der internen Kommunikation, ein großes Learning für uns war, nicht zu sagen: Hey, komm zu unserem Innovation Hub und fahrt einen PoC mit uns, weil die wollen keinen PoC fahren, die wollen eine

34:59Lösung für ihr Problem, und vielleicht ist ein PoC ein Meilenstein auf dem Weg dahin. Aber als erstes ist eigentlich der Hook, der Köder: Ich sehe eine spannende Lösung. Deswegen war für uns viel dieses: Der Prozess fürs Needs Assessment kommt oft eigentlich nachgelagert, nachdem die Business Unit zumindest den Glauben aufgebaut hat, da könnte es eine gute Lösung geben. Und diesen Glauben aufzubauen ist am einfachsten, indem man ihnen einfach ein Tool bereitstellt, wo sie selber spannende Sachen finden können.

35:42Weil dann ist mit einem Mal: Oh, das ist spannend. Und dann kannst du eigentlich genau da damit rein starten und sagen: Ah, okay, das ist spannend. Warum ist das denn spannend? Was würde das denn genau für dich lösen? Und dort hast du dein Assessment kreiert, nachdem aber der Köder initial schon funktioniert hat. Okay, dann verstehe ich, finde ich auch einen guten Ansatz. Und dann muss es halt irgendwann meiner Meinung nach dann diesen Weg wiederum in den Prozess geben, wo dann halt eine zentrale Instanz sitzt, die dann halt weiß, okay, hier haben wir ein neues Thema. Hier haben wir den Prozess, den wir jetzt durchlaufen müssen, und vielleicht auch hier und da auch als Instanz fungiert und sagt: Hey, passt auf, das ist eine coole Lösung, cooles Tool.

36:35Da haben wir aber schon was im Einsatz, und dann quasi wiederum die Verknüpfung zu dem Tool und auch den Kollegen herstellt, wo dieses Tool schon im Einsatz ist. Weil da sehe ich dann natürlich schon ein Problem oder eine Herausforderung: Wie schaffen wir es dann, aus der massiven Anzahl von Lösungen, die auf einen einzelnen Inseln eingesetzt werden, wieder zusammenzubekommen, damit wir nicht zum Schluss 1000 Tools für ein und dasselbe Problem im Unternehmen haben. Und alle IT Mitarbeiter sagen: Ey, das maintain ich nicht mehr.

37:19Ich finde, das ist eine ganz schöne Brücke eigentlich zu, ich denke oft darüber nach, dass so im Grunde kreieren wir mit Venture Clienting eine neue Businessfunktion. Vielleicht wird es auch nur eine Suchfunktion. Es ist im Grunde eine Art Procurement. Nur es geht nicht darum, die sicherste mögliche Lösung einzukaufen, sondern es geht darum, innovative, neue Lösungen auszuprobieren. Wenn du jetzt mal so zehn Jahre in die Zukunft guckst, wie glaubst du, wird dann dieses Thema Venture Clienting, wenn es überhaupt noch so genannt wird, zu dem Zeitpunkt dann, wie wird das bei Kärcher verankert sein und was wird anders sein im Vergleich zu jetzt? Also ich glaube und hoffe, dass sich die zentrale Abteilung nicht unbedingt massiv an Kapazitäten erhöht, sondern dass es weiterhin ein sehr kleines, strukturiertes Team sein wird, das aber sehr viel Projektarbeit leisten wird und mehr so diesen Guide im Prozess darstellt.

38:31Und das wäre ein Wunschbild. Was natürlich auch immer ein Wunschbild ist, ist, dass man auch wirklich ausgeglichen bleibt in Produkt und Prozessinnovation. Und da müssen wir aber, glaube ich, offener werden und auch wirklich den Begriff Open Innovation auch noch mal irgendwie mit den Raum stellen und auch wirklich sich zu überlegen, wie kriegen wir es hin, bestimmte Themen tatsächlich auch im Verbund mit anderen Unternehmen zu schaffen? Also gerade die Hidden Champions, dass man da Wege und Mittel findet, bestimmte Themen gemeinschaftlich löst und dadurch natürlich auch wieder schneller wird, besser wird und vielleicht auch gegen die Konkurrenz wieder noch mehr anzubieten hat. Glaubst du, dass ihr mehr Projekte dann fahren werdet? Was glaubst du, so wäre die Scale? Oder wenn wir jetzt auch mal ganz kurz weggehen von Venture Clienting, wie es gerade ist, und uns einfach angucken: Okay, es wird immer mehr Neues kreiert. Du sagst Open Innovation, wir wollen offener dazu sein, mit anderen zu kollaborieren. Glaubst du, das heißt in der Konsequenz, dass

39:43ihr mehr Partner haben werdet oder Kärcher mit mehr Partnern arbeiten wird in der Zukunft? Da ist Venture Clienting ein unfassbar hilfreiches Tool, um diese Ziele zu erreichen, und muss deswegen ausgebaut werden und muss deswegen skaliert werden, weil da noch ganz viel Potenzial schlummert, wo wir heute noch eher skeptisch sind oder eher noch nicht sehen, dass es da ein Potenzial gerade in der Lösung Venture Clienting gibt. Deswegen muss es mehr werden. Wird es auch. In der Vergangenheit gab es die Produktentwicklung.

40:20Die hat halt ein paar Milliarden jedes Jahr bekommen, um coole Sachen zu entwickeln. So haben sie ja auch. Aber wenn du das dann entgegen stellst, du allein in Deutschland zigtausend neuen Startups, die neu gegründet werden, und vielen dutzenden Milliarden, die investiert werden. Wenn du das jetzt auf Europa siehst, bist du schon bei 100 Milliarden. Das ist im Grunde ein ungenutztes Produktentwicklungsteam, was halt ein bisschen anders funktioniert. Das sind halt nicht meine Mitarbeiter. Und die machen nicht unbedingt genau das, was ich denen sage. Aber dafür kriege ich es auch für ziemlich günstig.

41:05Dafür kann ich einfach in diese Forschungs und Entwicklungsabteilung reinlaufen, gucken: Was wurde da so entwickelt? Oh, das ist spannend, das will ich mal ausprobieren. So ist ja eigentlich in sich auch irgendwie No-Brainer, dass du in einen Laden reingehen kannst, in denen jedes Jahr hunderte Milliarden fließen, und für relativ kleines Geld dir ziemlich coole Sachen rausholen kannst. Genau das, dieses Potenzial haben vor allem die Techgiganten aus Amerika schon lange entdeckt und sind deswegen da auch schon viel, viel weiter, und haben, auch wenn man sich die Zahlen anschaut, investieren viel, viel größere Summen als deutsche Unternehmen in die externe Entwicklung. Und so wie du sagst: Das Wunderbare an Venture Clienting und die Verknüpfung zu externen Innovatoren ist ja, dass man sich genau für ein spezifisches Problem, den man als Kärcher in dem Fall jetzt nicht als USP ansieht, sondern als Thema, das man zu erledigen hat, aber hier nicht die Kernkompetenz aus dem Unternehmen sieht, da quasi auf eine extern finanzierte

42:25Forschungseinheit zugreifen kann, die weitaus mehr finanzielle Mittel haben, wie wenn man es intern als Projekt ausschreiben würde. Und das ist natürlich ein Potenzial, das man ausnutzen muss und aus dem man schöpfen muss, um zu wachsen und innovativer zu werden. Zum Abschluss: Was würdest du Innovations Corporate Venture Kollegen empfehlen, die gerade am Anfang ihrer Venture Clienting Journey sind? Generell sollte man sich, wenn man sich dem Thema Venture Clienting annimmt, immer vier Fragen stellen bzw. seinen Bereich auf vier Ebenen bauen. Das ist zum einen: Sei dir sicher, was dein Wertversprechen ist. Was trägst du bei, damit dein Unternehmen die strategischen Ziele erreicht? Dann ist das zweite: Wie möchtest du das Ganze erreichen?

43:29Prozess. Prozess. Prozess. Es gibt nichts mehr, wo Zeit und Kapazitäten verloren werden, wie in ungeregelten Prozessen, Standards und Schnittstellen. Kollektiv: Mit wem möchte man das tun? Wie kriege ich den Bedarf aus der Firma zu mir? Mit welchen Partnern möchte ich extern arbeiten? Ich habe schon ein paar Mal gesagt: Funds sind nicht nur ein Tool vom Venture Investment. Es entwickelt sich eine sehr, sehr enge Kollaboration auch mittlerweile ins Venture rein. Eine unfassbar gute Quelle. Und auch: Wie erreiche ich diese?

44:17Also über welche Kanäle, über welche Meeting Formate erreiche ich quasi diese ganzen Stakeholder? Und zum Schluss natürlich das Team. Wer soll das Ganze tun? Venture Unit und natürlich Management. Danke. Was wünschst du dir von deinen Kollegen? Ich glaube, wir sind da auf einem sehr, sehr guten Weg. Ich freue mich immer wieder, wenn ich neue Kollegen kennenlerne und auch neue Herausforderungen angehen darf mit meinen Kollegen. Und ich habe bisher eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht und hoffe, dass wir weiterhin so vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch so konstruktiv.

45:05Schöner Satz. Danke dir vielmals, Marvin. Das hat mir großen Spaß gemacht. Ich bin ein großer Fan von dir und von Kärcher. Auch in sich. Ich finde, das ist eine der coolsten Marken, die wir aus Deutschland heraus kreiert haben. Danke schön.